Die Kundgebung selbst verlief absolut friedlich und es kam zu keinerlei Ausschreitungen während der Kundgebung. Abschluss fand die Kundgebung vor dem Hauptgebäude der Universität Wien gegen 20.00 Uhr, wo auch ein Weltrekordversuch gestartet wurde: Der Bildungs-Mambo. Hier geht es darum, dass möglichst viele Paare zeitgleich und synchron Mambo tanzen. Der Rekord wurde realisiert mit rund 600 tanzenden Paaren. Bisher hielt das Bundesheer im so genannten Formationstanz den Weltrekord mit rund 300 Paaren.
Das Abschlussprogramm im Audimax musste abgesagt werden wegen Überfüllung, was für die hohe Teilnehmerzahl spricht. Die Polizei will nur 10.000 Demonstranten gesehen haben wie auch von den meisten Medien kolportiert wird.
Der Protest der Studenten nimmt zunehmend eine grundsätzliche Dimension an, dessen sich auch die Protestierenden bewußt sind. So kann man in den Foren lesen und pars pro toto sei zitiert: "...das ist längst keine einfache Studentendemo mehr... die jungen Generationen Europas sind mit euch! Die Bush Generation war gestern....es lebe die Obama Generation!!!" Weiters war auszunehmen, dass zahlreiche Passanten sich spontan der Kundgebung anschlossen.
Damit ist angesprochen nicht nur die Tragweite der Forderungen, die grundsätzliche Fragen aufwerfen, sondern auch, wie hier Protest organisiert wird und sehr effektiv wie friedlich und mit viel Spass und Freude sich mehr und mehr ausbreitet: Die weiteren großen Unis Österreichs sind mittlerweile ebenfalls besetzt, so die Uni Graz, die BOKU, die TU-Wien und auch die Uni Salzburg.
Offener Brief: Wir sind flexibel
In einem offenen Brief laden die Besetzerinnen und Besetzer des Audimax der Universität Wien die Bundesregierung zum Dialog ein. Sie steht bis lang dem Protest schweigend und zunehmend ratlos gegenüber.
Der offene Brief im Wortlaut:
"Sehr geehrter Rektor Prof. Georg Winckler,
sehr geehrter Bundesminister Dr. Johannes Hahn,
sehr geehrter Bundesminister Dipl.-Ing. Josef Pröll,
sehr geehrter Bundeskanzler Werner Faymann,
wie Ihnen nicht entgangen sein dürfte, halten wir seit sieben Tagen das Audimax der Universität Wien besetzt.
Im Zuge der Diskussionen unter den Studierenden wurde ein Forderungskatalog erarbeitet und auf dem Audimax-Plenum basisdemokratisch beschlossen. Sie finden diese Forderungen im Anhang dieser Email.
Wir fordern Sie hiermit auf, zu diesen Forderungen öffentlich Stellung zu beziehen. Ihre Stellungnahme soll vor dem Plenum der Studierenden im Audimax stattfinden. Wir erwarten einen Terminvorschlag Ihrerseits in den nächsten Tagen. Wir sind zeitlich flexibel, da wir hier ohnehin nicht weggehen.
Dieses Schreiben ergeht auch an österreichische und internationale Medien.
Mit der Bitte um Antwort verbleiben wir,
mit freundlichen Grüßen
Das Plenum der Audimax-BesetzerInnen"
Bei der gesetzlichen Vertretung der Studentschaft in Österreich, die ÖH, herrscht seit 26. Oktober Funkstille, d.h. keine offizielle Pressemitteilung ist seitdem zu lesen und sie ist auch nicht als Mitorganisator der heutigen Kundgebung aufgetreten wiewohl die ÖH ihre grundsätzliche Solidarität bekundet hat. Die ÖH spricht ähnlich wie die Polizei von einer sehr geringen Teilnehmerzahl (15.000). Hier scheint sich ein weiterer grundsätzlicher Konflikt anzubahnen, da die Legitimität der gesetzlichen Interessensvertretung in das Rutschen kommt.
Es ist eher unwahrscheinlich, dass der Protest in den kommenden Tagen verebbt. Das Aussitzen des Protests dürfte nicht aufgehen.
Aktuelle Umfrage "Ist die Besetzung ok?" > www.glocalist.com/36.0.html
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