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Donnerstag, 9. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!
SOZIALES

Ärztekammer warnt vor Vormarsch psychischer Erkrankungen.


Wien (13.1.10): Mit dem steigenden Druck in der Gesellschaft kommt es immer öfter zu psychischen Erkrankungen. Die Gesellschaftliche Stigmatisierung von Betroffenen muss ein Ende haben, fordert die Ärztekammer in ihrer aktuellen Präventionskampagne.
Die Zahlen sind ernüchternd, bereits jeder vierte Österreicher ist von Depressionen, Angststörungen und Co. betroffen. Laut Studien erkrankt jeder Fünfte in seinem Leben einmal an einer Depression, aber nur 30 bis 35 Prozent von insgesamt 400.000 Behandlungsbedürftigen würden ärztlich diagnostiziert. Bis 2015 soll laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Depression auf Platz zwei der häufigsten Erkrankungen weltweit vorgerückt sein.

Im Rahmen ihrer aktuellen Präventionskampagne „Gesund durch Vorsorge“ präsentierte heute, Mittwoch, die Ärztekammer einen weiteren Informationsschwerpunkt, und zwar zum Thema „Spüren. Wahrnehmen. Auf die Psyche achten“. Im Mittelpunkt steht dabei die rasche und effiziente Unterstützung der Betroffenen. „Der gesellschaftlichen Stigmatisierung muss ein Ende gesetzt werden“, betonte Ärztekammerpräsident Walter Dorner. Denn niemand sei vor einer psychischen Erkrankung gefeit.

Halbe Million Österreicher leiden an Burnout

Trotz einer zunehmenden Bewusstseinsänderung sowie einer verstärkten Sensibilisierung seien psychische Erkrankungen immer noch ein gesellschaftliches Stigma, so der Ärztekammerpräsident. „Viele psychisch Kranke laufen dazu Gefahr, in finanzielle Notlagen zu geraten und Armut zu erleiden“, wies Dorner auf die gesellschaftliche Ausgrenzung der Betroffenen hin.

In etwa eine halbe Million Österreicherinnen und Österreicher sollen zudem von Burnout betroffen sein. „Diese Zahl könnte sich aufgrund der Wirtschaftskrise sogar noch erhöhen“, warnt der Ärztekammerpräsident. Aus diesem Grund habe sich die Ärztekammer zu der Informationskampagne entschlossen. „Für die meisten nimmt die berufliche Tätigkeit einen wichtigen Stellenwert im Leben ein. Dennoch gilt für uns alle: Arbeit darf uns nicht krank machen“, so Dorner.

Stress als zweitgrößtes berufsbedingtes Gesundheitsproblem

„Seelische Gesundheit ist die Voraussetzung dafür, dass die Anforderungen und die Flexibilität, die vom Markt gefordert werden, überhaupt erfüllt werden können“, ergänzt Lisa Tomaschek-Habrina, Psychotherapeutin, Coach und Leiterin des Instituts für Burnout und Stressmanagement (IBOS). Stress sei derzeit „das zweitgrößte berufsbedingte Gesundheitsproblem nach Rückenschmerzen in unserem modernen Europa – mit erheblichen Auswirkungen auf die Gesundheitssysteme und die wirtschaftliche Produktivität“, so die Expertin.

Schon allein aufgrund der Kosten, die Stress verursacht, sollten Maßnahmen zur Stressprävention im Interesse von Unternehmen sein. Viele Betriebe würden jedoch nicht langfristig denken. Gesundheitsmanagement werde in erster Linie als Kostenfaktor gesehen: „Die meisten meinen, es sich nicht leisten zu können“, erläutert die Psychotherapeutin.

Leib-Seele-Problem zunehmend als interaktives Geschehen

Das Gehirn sei in seiner Struktur und Funktion „das komplexeste menschliche Organ überhaupt“, betont auch Amanda Nimmerrichter, Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie sowie für Psychotherapie im IBOS. Die Gehirnforschung habe ganz wesentlich dazu beigetragen, dass sich heute eine andere Sicht auf psychische Störungen ergebe als früher, da diese immer mehr unter dem Aspekt biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren gesehen würden.

Ebenso habe die neurobiologische Forschung dazu beigetragen, dass „das früher getrennt voneinander gesehene Leib-Seele-Problem immer mehr als interaktives Geschehen aufgefasst wird“, so die Expertin. Gerade bei jenen Störungen, bei denen ganz maßgeblich die Biologie wie auch die soziale und die psychologische Ebene betroffen seien – wie beim Burnout -, mache sich dieser Paradigmenwechsel „besonders bemerkbar“.

„Burnout passiert nicht von heute auf morgen, und es kann jeden treffen“, betont Ärztekammerpräsident Dorner. Daher sei es wichtig, sich einzugestehen, dass man „den Weg zurück ins Leben nicht allein schafft und Experten mit ins Boot holen muss – auch wenn es Überwindung kostet“.

Service-Tip > BERATUNGSSTELLE WIEN
Das Institut für Burnout und Stressmanagement (IBOS) bietet professionelle Unterstützung für Betroffene und Unternehmen durch interdisziplinäre Begleitung: www.ibos.co.at


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