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SOZIALES

Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe unbefriedigend


Berlin (3.9.10): Der DGB-Ausbildungsreport wirft kein gutes Licht auf die Tourismusbranche.
Wie auch in Österreich, wie auf Glocalist berichtet, ist die Zufriedenheit und die Ausbildungssituation nicht rosig: Harte Arbeit, permanent viele Überstunden, ein oftmals rauer Umgangston und der Eindruck, als billige Arbeitskraft ausgenutzt zu werden, diese Umstände sorgen bei Auszubildenden im Hotel- und Gaststättengewerbe für großen Unmut. Im Gesamtranking der 25 meistgewählten Ausbildungsberufe im DGB-Ausbildungsreport belegen die Ausbildungen zum Hotelfachmann/-frau und zum Restaurantfachmann/-frau die letzten beiden Plätze. Auf Platz eins des Rankings liegt die Ausbildung zum/zur IndustriemechanikerIn.

Der Ausbildungsreport, den Ingrid Sehrbrock, stellvertretende DGB-Vorsitzende und René Rudolf, DGB-Bundesjugendsekretär, am Mittwoch in Berlin vorstellten, basiert auf einer repräsentativen bundesweiten Befragung von 7 317 Auszubildenden aus den, laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), 25 häufigsten Ausbildungsberufen.

„Der DGB-Ausbildungsreport ist ein jährlicher Gradmesser für Qualität in der Ausbildung. Hier zeigt sich deutlich, in welchen Branchen es gut läuft und welche Branchen noch Nachholbedarf haben. Damit bieten wir jungen Menschen Orientierung und können Missstände aufzeigen“, erklärte Ingrid Sehrbrock

Ausbildungsübergreifend liegt der Anteil der Auszubildenden, die Überstunden leisten (müssen) mit 40,2 Prozent leicht unter dem des Vorjahres (42 Prozent). Im Hotel- und Gaststättengewerbe kommen etwa zwei Drittel der Auszubildenden auf regelmäßige Überstunden. Zusätzlich zu der unbefriedigenden Situation in diesen Ausbildungsberufen plant die Bundesregierung „Ausbildungshemmnisse im Gastgewerbe“ durch ein „flexibleres Jugendarbeitsschutzgesetz“ abzubauen. Im Klartext: Das Jugendarbeitsschutzgesetz soll gelockert werden, um beispielsweise die Arbeitszeiten von minderjährigen Auszubildenden im Hotel- und Gaststättengewerbe bis in die Nachtstunden zu erweitern. Dazu sagte René Rudolf: „Schutzvorschriften zu ‚Ausbildungshemmnissen’ zu erklären, ist eine nicht hinnehmbare Diffamierung des Jugendarbeitsschutzes.“

Neben Mehrarbeit bemängeln 13,1 Prozent der Auszubildenden die Qualität des Berufsschulunterrichts („mangelhaft“ oder „ausreichend“). Nur 9,8 Prozent bewerten die Qualität des Unterrichts als „sehr gut“. Häufig könnten Berufsschulen nicht mit der technologischen Entwicklung in den Betrieben mithalten, kritisierte Ingrid Sehrbrock. „Wir befürchten, dass sich diese Situation angesichts großer Sparpakete in den Bundesländern und der falschen Schuldenbremse noch verschlechtern wird.“ 30 Prozent der Auszubildenden müssen nach eigenen Angaben „manchmal“, „häufig“ oder „immer“ ausbildungsfremde Tätigkeiten erledigen. Hier forderte Ingrid Sehrbrock die Kammern auf, auch mit „unangemeldeten Betriebsbesuchen auf die Einhaltung der gesetzlichen Regelungen zu achten“.

Die Ergebnisse des Reports zeigen zudem, dass die Zufriedenheit mit der Ausbildung stark mit der Unterstützung im Betrieb, beispielsweise durch eine Interessenvertretung, zusammenhängt. So sind 82,5 Prozent der Auszubildenden mit der Interessenvertretung „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“, während nur 62,5 Prozent der Auszubildenden ohne Interessenvertretung diese Angabe machten. Diese Bewertungen zeigten ein „ganz klares Votum für betriebliche Mitbestimmung“ von Auszubildenden in ihren Betrieben, sagte René Rudolf und äußerte die Wunsch, dass zu den Wahlen der Jugendvertretungen am 1. Oktober viele Kolleginnen und Kollegen kandidieren werden.

Sehr problematisch für die Auszubildenden ist die häufig ungeklärte Übernahmesituation am Ende der Ausbildung. Zum Zeitpunkt der Befragung wussten 66,9 Prozent der Befragten nicht, ob sie am Ende der Ausbildung übernommen werden. Lediglich ein Fünftel (20,5 Prozent) der Befragten gab an, übernommen zu werden. Diese Zahlen zeigen die große Ungewissheit, mit der sich junge Auszubildende beim Eintritt ins Berufsleben konfrontiert sehen. René Rudolf forderte die Arbeitgeber in diesem Zusammenhang dazu auf, „junge Auszubildende nach Kräften zu unterstützen und ihnen eine reelle Chance zu bieten, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen“.

(Quelle: DGB)

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