Aktuell läßt BP verbreiten, dass die Maßnahme greifen dürfte. Wie auch auf dem Livestream zu sehen (s.h. Link am Ende des Beitrags) hat sich der Ausfluss sehr deutlich reduziert. Noch läßt sich aber abschließend nicht sagen, ob es geklappt hat oder nicht, denn es läßt sich nur schwer differenzieren, ob die austretende Masse nun der überfließende Schlamm ist oder noch Öl.
Up-date (19.30)
Der vorsichtige Optimismus vom Nachmittag pulverisiert sich. Das Loch kann nicht geschlossen werden. Aus Kreisen von BP rechnet man, dass es noch zwei Tage dauern könne, bis man genaueres weiss hinsichtlich des Erfolgs bzw. Mißerfolgs der aktuell gesetzten Maßnahme "Top Kill". Mittlerweile ist die vor wenigen Tagen auftauchende Vermutung erhärtet: Es trat 5x so viel Öl aus als in den vergangenen Tagen berichtet wurde: Statt 5.000 Barrel täglich sind es laut Angaben der US-Behörden tatsächlich 20.000 Barrel gewesen und sind es noch immer. Aktuell berichtet die Huffington Post, dass BP versucht den für sich passenden Richter zu bekommen, da eine Lawine an Prozesse absehbar ist. BP drängt gerade darauf, dass der Prozess in Houston stattfinden soll, da hier Richter (U.S. District Judge) Lynn Hughes wirkt. Er war jahrelang Redner für die American Association of Petroleum Geologists, die u.a. für BP "arbeitet".
Der so genannte "Top Kill" Maßnahme, soll die offenen Bohrlöcher mit einer Mischung aus Schlamm und Zement versiegeln; rund 8.000 Liter pro Minute sollen eingeschossen werden. Ob diese Maßnahme greift, wird abzuwarten sein. BP läßt verbreiten, dass frühestens diesen Donnerstagabend man konkrete Aussagen machen könne, ob die Maßnahme greife oder nicht.
US-Präsident Obama hat der Stunde vor Ort verkündet, dass für die nächsten sechs Monaten alle Tiefeseebohrungen ausgesetzen und man die Sicherheitsvorgaben drastisch verschärfen werde. Von diesem Moratorium ist Shell betroffen, die eine Tiefseebohrung in der Arktis planen. Umweltschutzorganisationen laufen gegen dieses Vorhaben Sturm.
Mittlerweile hat sich eine facebook Gruppe gegründet, die binnen kurzem rund 150.000 Unterstützerinnen und Unterstützer fand. Die Forderung ist sehr klar und einfach: BP solange zu boykottieren bis alle Schäden beseitigt sind.
Aber auch auf Twitter hat sich eine PR-Front etabliert, wo mit Sarkasmus und Ironie die PR-Strategie entblättert wird. Diesem Tweet folgen mittlerweile rund 60.000 so genannte Followers, also rund 10 mal mehr als dem offiziellen BP Tweet (s.h. > twitter.com/BPGlobalPR ).
Hier finden sich Sprüche und Sätze wie: "BP wants Twitter to shut down fake account mocking the oil company. Twitter wants BP to shut down the leak that’s ruining the sea."
Die Huffington Post unter Berufung auf die Los Angeles Times berichtet von einen weiteren verantwortungslosen Vorgehen von BP: Zahlreiche angeheuerte Arbeiter, die die Ölklumpen an den Stränden beseitigen sollen, klagen über Atembeschwerden, Kopfschmerzen und Unwohlheiten. Ursache dafür dürfte sein, so nach Darstellung der Huffington Post, dass BP keine Schutzkleidung oder Handschuhe an die Arbeiter ausgebe.
Weiters wird berichtet, dass BP nach wie das verbotene Corexit einsetze, dessen Einsatz vor zwei Tagen die US-Behördern untersagt haben (s.h. auch Bericht auf Glocalist > bit.ly/9MQzBz ).
Schließlich berichtet Newsweek ausführlich über die Maßnahmen von BP, die freie Presse zu behindern. BP versucht zu verhindern, dass Photos über die ölverseuchten Strände sich verbreiten. Letzte Woche soll sogar ein TV-Team von CBS mit Haftstrafen bedroht worden sein. Und wenn Zugang gewährt wird, dann nur im Beisein von BP-Mitarbeitern, wie Newsweek berichtet: "Reporters and photographers are escorted by BP officials on BP-contracted boats and aircraft. So the company is able to determine what reporters see and when they see it." (Newsweek, 27.5.10). Es dürfte wohl so sein, dass im Golf mehr als nur eine ökologische Katastrophe manifest ist, es werden auch gleich die Menschenrechte mit entsorgt.
Webtips
Livestream vom Meeresgrund > huff.to/cOgQtk
Boykottgruppe > bit.ly/9M2cz8
Bericht Augenzeugin über Behinderung der freien Presse > bit.ly/b45x3v








