"Die Initiative „Ideen gegen Armut“ wählt ein förderungswürdiges Projekt auf Basis klarer Beurteilungskriterien und stellt Umsetzungshilfe durch eine Anschubfinanzierung“, so kann man auf der Website lesen. Eingeladen sind Organisationen, Gruppierungen sowie Einzelpersonen mit Projekten, die in Form eines Businessplans umsetzungsreif sind. Inhaltlicher Fokus ist Armutsprävention und Armutsbekämpfung in Österreich. Der „Ideen gegen Armut Innovationspreis“ in Höhe von 50.000 Euro wird jährlich vergeben.", so die Plattfom "Ideen gegen Armut", die von Mag. Eva More-Hollerweger (NPO-Institut) koordiniert wird und sie als Ansprechpartnerin fungiert.
Wie ernst es Coca-Cola ist, kann man daran ermessen, dass dieses Projekt weder im Pressebereich noch auf der Company-Rubrik angeführt ist, wo zahlreiche Projekte vorgestellt sind wie beispielsweise "Coca-Cola und SOS-Kinderdorf" oder das umstrittene Projekt "Coca-Cola Junior Ranger", welches dereinst auch von Cyriak Schwaighofer (GRÜNE) heftig kritisiert worden ist:
"Dass immer mehr Kinder an Übergewicht leiden, liegt nicht zuletzt an den fragwürdigen Produkten und aggressiven Marketingstrategien von Konzernen wie McDonald's und Coca Cola. Wenn solche Firmen dann von der Landesregierung auch noch als Sponsor für Jugendprojekte akzeptiert werden, hört sich für mich der Spaß auf. Damit werden die jungen Menschen diesen Konzernen regelrecht in die Arme getrieben!", so Schwaighofer.
Aber auch international steht der Konzern in heftiger Kritik: So wird Coca-Cola vorgeworfen, dass in zwei Coca-Cola Abfüllbetrieben in Kolumbien Gewerkschafter ermordert worden seien, was zu einer globalen Kampagne geführt hat, der sich u.a. die Gewerkschaft ver.di anschloss und 2006 erlebte Coca-Cola eine Boykottwelle gegen "Killer-Coke" an rund 25 US-amerikanischen Universitäten.
Jüngst, am 13. Mai 2007 hat der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) beschlossen, Coca-Cola-Produkte zu boykottieren. Der Grund für den Boykottaufruf:"Der „Coca-Cola“-Konzern ist mit internationalen Aktivitäten mehrfach in die Kritik geraten, beispielsweise durch Berichte über Verunreinigung und Erschöpfung von Grundwasservorräten in Indien. Unter anderem wirft der BDKJ dem Unternehmen vor, kritische Mitarbeiter in Kolumbien, die wegen ihres Einsatzes für Gerechtigkeit verfolgt und zum Teil ermordet werden, nicht ausreichend zu schützen. Außerdem verhindere das Unternehmen das freie Vereinigungsrecht. Diese Einschätzung werde von Mitarbeitenden kirchlicher Hilfswerke bestätigt."
Das Wort "Armutsbekämpfung" bekommt so eine ganz neue Note und Wendung. Aber nicht nur im Bereich soziale Verantwortung wird Coca-Cola schwere Vorwürfe gemacht, sondern auch im Umweltschutzbereich. Hier wird Indien angeführt, wo Grundwasser im großen Stil verloren geht. Sogar der ÖGB hat hier Coca-Cola kritisiert (>> www.oegb.or.at/servlet/ContentServer ). Coca-Cola stellt diese und ähnliche Vorwürfe in Abrede und verweist in diesem Zusammenhang auf einen gewonnen Prozess vor einem Bezirksgericht in Florida.
Auf Nachfrage der Glocalist Medien zu den internationalen Zusammenhänge meint die Projektleiterin More-Hollerweger: "CSR bewegt sich immer an der Grenze zwischen sozialem und wirtschaftlichem Interesse und oft auch zwischen ernst gemeintem Engagement und plumpem Werbegag. Es Unternehmen abzusprechen, CSR-Aktivitäten zu setzen, halten wir für wenig sinnvoll. Das an der Erstellung des Konzeptes für den Ideen-gegen-Armut Innovationspreis beteiligte Team (inklusive Coca-Cola-MitarbeiterInnen) erleb(t)en wir als eines an der Armutsthematik interessiertes und motiviertes. Dies war und ist ausschlaggebend für die Beteiligung des NPO-Instituts. 50.000 Euro können das Armutsproblem in Österreich nicht lösen. Für einzelne Organisationen oder Initiativen kann der Preis eine wertvolle Unterstützung bedeuten und daher sehr viel bewirken."
Kommentar
Man wird hier nicht den Eindruck los, dass hier Coca-Cola mit seiner Initiative "Ideen gegen Armut" eine "Social & Greenwashing-Aktion" versucht. Der Betrag von 50.000 Euro erscheint auch eher bescheiden und kann wohl als unter der symbolischen Wahrnehmungsgröße betrachtet werden. Vielleicht ist es auch eine gute Idee, dass in jedem Projektantrag eine Präambel von den AntragstellerInnen gesetzt wird, wo man gegen die Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzung protestiert und eine Abkehr von dieser Politik von Coca-Cola fordert. Gerade darum geht es bei CSR (Corporate Social Responsiility), gerade bei Konzernen, dass Standards, wie eben Menschenrechte und Umweltschutz, weltweit eingehalten werden. Gleiches oder ähnliches darf und muss man sich auch von den Kooperationspartnern erwarten. Damit wird Coca-Cola nicht abgesprochen, sich in CSR-Aktivitäten zu üben, aber die Frage nach Glaubwürdigkeit und Gesamtzusammenhang muss gerade bei Konzernen sehr genau gestellt werden. Haltung ist daher verlangt und ein Statement der Kooperationspartner zu den Vorwürfen mehr als notwendig, auf welche man offensichtlich nicht antworten möchte.
Websites:
www.ideen-gegen-armut.at
www.killercoke.org
www.coke.at
www.labournet.de/internationales/co/cocacola/
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Freitag, 10. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!



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