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SOZIALES

Faire Mode nicht so fair wie gedacht


Siegburg (15.12.09): Folgt man einer aktuellen Studie des Südwind-Institut, dann sind viele der selbsternannten sozial-ökologischen Modelabels nicht so fair und unterbieten oft konventionelle Industriestandards.
Hype und Coolness dürfte zu wenig sein wie auch rasch ein Blick in die diversen Blogs rund um das Thema faire Mode zeigt, die außer "Ah und Oh" und penetrant vorgetragene Selbstgefälligkeit wenig zu bieten haben. Es dürfte wohl auch Ausdruck vom eher dürftigen Stand der Dinge zahlreicher sozial-ökologischer Modelabels sein.

Und seit einigen Jahren schießen sozial-ökologische Modeanbieter wie Pilze aus dem Boden und machen die Redaktionen mit ihren oft substanzlosen Pressemitteilungen zu, wo man oft den Eindruck hat, dass die Rettung der Welt nur vorgeschobenes Verkaufsargument und man als Medium sich oft genug von PR-Agenturen genötigt fühlt einfach mal Werbung&Marketing zu machen; es sei ja für eine gute Sache lautet oft das Argument. So gut dürfte die Sache dann nun doch nicht sein. Aus eigener, sicher nicht-repräsentativer aber gefühlter Anschauung ist man oft mit substanzlosen Pressemitteilungen konfrontiert, die kaum als Ausdruck einer nachhaltigen Kommunikation aufzufassen sind. Es unterstreicht ein Stück weit den Befund der Studie des Südwind-Instituts.

Um Klarheit für Verbraucherinnen und Verbraucher zu schaffen, hat Südwind eine Unternehmensbefragung durchgeführt: "Das Ergebnis ist ernüchternd: Mit wenigen Ausnahmen fallen die sozialen und ökologischen Anforderungen der meisten Anbieter hinter etablierte internationale Standards zurück.", so Südwind in seiner zusammenfassenden Pressemitteilung.

"Dieses Marktsegment sollte in Zukunft kontinuierlichen Praxistests unterzogen werden, damit Anspruch und Wirklichkeit sich stärker annähern“, so Dominic Kloos, Autor der gestern veröffentlichten Südwind-Studie mit dem Titel „Sozial-ökologische Mode auf dem Prüfstand“.

Die Programmatik sozial-ökologischer Modeanbieter wie Artgerecht, Continental Clothing, Hess Natur oder Unique Nature ist einzeln und vergleichend in der Studie dargestellt. Südwind hatte für die Befragung sieben Kriterien aus der Debatte um Sozial- und Umweltstandards zusammengefasst. Die Antworten der Unternehmen sind in einem verbraucherfreundlichen Ampelsystem eingeordnet.

Gesamt wurden rund 200 Unternehmen angeschrieben und lediglich 23 Unternehmen haben überhaupt reagiert! Und davon geben lediglich 69% der 23 Unternehmen, die auf die Südwind-Umfrage geantwortet haben, an, alle wichtigen Sozialstandards einzuhalten. Das ist ein Debakel der Transparenz.

Beim Nachweis der Einhaltung dieser Standards tritt jedoch eines der größten Probleme der Branche zutage: Nur wenige Unternehmen lassen diese unabhängig überprüfen. Im Rahmen der Unternehmensbefragung erfüllen nur 4 der 23 Unternehmen dieses Kriterium.

Bei den Öko-Standards schneiden die Unternehmen generell besser ab, so die Studie zusammenfassend: 35% der Anbieter lassen zumindest einen Teil der Standards von anerkannten externen Einrichtungen überprüfen, doch nur 22% achten dabei auf alle grundlegenden Standards.

Und weiter kann man in der Studie lesen: "Nur 30% veröffentlichen einen Nachhaltigkeitsbericht. Eine transparente Illustration der Lieferkette auf der Webseite ist mindestens genauso wichtig. Bei fast allen Unternehmen ist dieser Aspekt unzureichend umgesetzt." Kurz: Es stehen viele Hausaufgaben an.

In einer ersten Reaktion schreibt hessnatur auf seinen Blog: "Negativ-Schlagzeilen, die bereits die Runde machen, obwohl die Information so nicht richtig ist. hessnatur hat ein eignes Anbauprojekt für Baumwolle, die fair gehandelt und kontrolliert biologisch angebaut wird. Bereits 2004 begann die Zusammenarbeit mit der Schweizer Entwicklungsorganisation Helvetas in Westafrika, 2008 wurde hessnatur für eben dieses Projekt mit dem Public Eye Positive Award ausgezeichnet. Warum Südwind diese Information entgagnen ist? Weil das Institut die Daten vor fast einem Jahr erhoben hat, als das hessnatur-Siegel für fair gehandelte Baumwolle noch nicht offiziell eingeführt war. Die Daten wurden seitdem nicht aktualisiert, sodass die veränderten Rahmenbedingungen in der Studie keine Berücksichtigung fanden."

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