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Jahresbericht Menschenrechte 2010


Berlin (27.5.10): Amnesty International hat seinen Jahresbericht 2010 für die Menschenrechtslage 2009 vorgelegt.
Das Jahr 2009 war ein Meilenstein für die Menschenrechte. Gleichzeitig verhinderten oft machtpolitische Interessen, dass die Verantwortlichen für Unterdrückung und Gewalt zur Rechenschaft gezogen werden. "Niemand steht über dem Gesetz", sagte Monika Lüke, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, bei der Vorstellung des Amnesty-Jahresreports in Berlin.

"Das ist die Botschaft vieler Gerichtsurteile und politischer Entscheidungen in 2009. Auch wenn Millionen Opfer immer noch nicht zu ihrem Recht kommen." Wegweisend sei der Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs gegen Sudans Präsidenten Omar al-Bashir gewesen. "Die Anklage gegen al-Bashir, einen amtierenden Präsidenten, war ein Paukenschlag - den viele Staaten Afrikas bewusst überhörten", sagte Lüke.

"Taub stellten sich auch die USA, China, Russland, Iran und Afghanistan gegenüber bei Forderungen nach Aufklärung und Verfolgung von Menschenrechtsverletzungen." Der Jahresreport 2010 dokumentiert für das vergangene Jahr Menschenrechtsverletzungen in 159 Länder - aber auch Erfolge für die Opfer. Hoffnung geben beispielweise die Urteile wegen "Verschwindenlassen", Folter und Mord gegen Perus ehemaligen Präsidenten Alberto Fujimori und gegen etliche ehemalige Militärs in Argentinien.

Düster ist erneut das Kapitel des Amnesty-Jahresreports 2010 zu Afghanistan: Zivilisten werden Opfer der Taliban, anderer bewaffneter Gruppen sowie der internationalen Streitkräfte. Reformen bei Polizei und Justiz kommen schleppend voran. Frauen und Mädchen müssen um ihr Leben fürchten, wenn sie ihre Rechte einfordern. "Wenn Präsident Karsai bei den anstehenden Verhandlungen mit den Taliban die wenigen Fortschritte bei den Menschenrechten opfert stellt, muss die internationale Gemeinschaft klar machen: Die Menschenrechte sind nicht verhandelbar!", sagte Lüke.

Deutlich verschlechtert hat sich die Situation im Iran: Seit den Präsidentenwahlen im Juni 2009 werden Oppositionelle und Menschenrechtsverteidiger verstärkt verfolgt. Zeitweise waren bis zu 5.000 Regimekritiker in Haft, immer in Gefahr gefoltert zu werden. In Schauprozessen wurden über 80 Personen verurteilt, mindestens 16 von ihnen zum Tode.

Das Fazit von Amnesty International zur Politik von US-Präsident Barack Obama ist ernüchternd. Vor Gerichten in den USA sollen Foltergeständnisse weiterhin zugelassen werden, die Insassen des US-Gefangenenlagers Bagram in Afghanistan haben keine Chance auf ein Verfahren in den USA. Vor allem aber hat Präsident Obama sein Versprechen nicht gehalten, Guantánamo binnen eines Jahres zu schließen. "Wenn einige Gefangene von Guantánamo nach Illinois verlegt werden, aber weiter ohne rechtsstaatliches Verfahren in Haft bleiben, ändert sich für diese Männer nichts - außer der Postleitzahl", sagte Lüke. "Aber immerhin: Die Menschenrechte gelten in der Innen- und Außenpolitik der USA wieder als Maßstab."

Ebenfalls gemischt fällt die Bilanz zu Deutschland aus. Kinder ohne Aufenthaltspapiere können endlich zur Schule gehen, ohne dass die Schulleiter die Ausländerbehörde informieren müssen und so das Risiko einer Abschiebung der Familie steigt. Enttäuschend ist, dass Politiker und Behörden das absolute Folterverbot nicht ausreichend ernst nehmen. "Deutschland darf niemanden in einen Folterstaat abschieben. So genannte diplomatische Zusicherungen von Tunesien oder Syrien sind nichts als leere Versprechungen", betonte Lüke. "Geständnisse, die unter Folter entstanden sind, müssen vor deutschen Gerichten tabu bleiben." Ausdrücklich begrüßte Lüke die Bereitschaft der Bundesregierung, unschuldige entlassene Gefangene aus Guantánamo in Deutschland aufzunehmen.

Der Jahresreport 2010 dokumentiert für den Berichtszeitraum 01.01.-31.12.2009 unter anderem: Folter und Misshandlung in mindestens 111 Ländern, unfaire Verfahren in mindestens 55 Ländern, Einschränkungen der Meinungsfreiheit in mindestens 96 Ländern und die Inhaftierung gewaltloser politischer Gefangener in mindestens 48 Ländern.

(Quelle: ai)

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