Kinder in Entwicklungs- und Schwellenländern sind die größten Verlierer der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Dies ist Ergebnis des UNICEF Reports 2010 „Kinder – die Vergessenen der Finanzkrise“, der der Tage in Berlin vorgestellt wurde.
Nach diesem Bericht zufolge hat der Einbruch der Weltwirtschaft Armut, Hunger und Krankheiten bei Kindern verschärft. Die Krise verhindert Fortschritte bei der Umsetzung der Millenniums-Entwicklungsziele. Allein in 2010 wird die Zahl der Menschen in extremer Armut um rund 64 Millionen steigen. Tausende Kinderleben sind in Gefahr, wenn jetzt nicht gegengesteuert wird.
72.000 Kinder werden während des G8/G20-Gipfel sterben
Während sich die Staats- und Regierungschefs der acht mächtigsten Länder in Kanada treffen, sterben in den ärmsten Ländern der Welt mehr als 72.000 Kinder, rechnet Save the Children vor. Save the Children fordert deshalb die Staats- und Regierungschefs auf, endlich zu handeln: "Es ist ein Skandal, dass Millionen Kinder sterben müssen, obwohl sie mit einfachsten Mitteln gerettet werden könnten", so Kathrin Wieland, deutsche Geschäftsführerin von Save the Children.
Dazu das Beispiel Niger: Unbeachtet von der Weltöffentlichkeit sind in dem westafrikanischen Land zurzeit Hunderttausende Kinder vom Hungertod bedroht. Beispiel Afghanistan: Am Hindukusch erlebt jedes vierte Kind seinen fünften Geburtstag nicht, weil Krankheiten wie Lungenentzündung oder Durchfall nicht behandelt werden. Jedes Jahr sterben weltweit mehr als 350.000 Frauen während Schwangerschaft und Geburt, weil es zu wenige Hebammen und Ärzte gibt, summiert Save the Children weiter auf.
Unterernährung und Armut
Und Ärzte Ohne Grenzen warnt: Unterernährung betrifft weltweit 195 Millionen Kinder und ist verantwortlich für mindestens ein Drittel der acht Millionen Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren. Sie führt zu Wachstumsverlangsamung, kognitiven Störungen und einer stärkeren Anfälligkeit Krankheiten gegenüber.
Die Ursache des Problems liegt im bereits schlechten Gesundheitszustand der Mütter, die ein untergewichtiges Kind zur Welt bringen und so den Teufelskreis verlängern. Viele Mütter leben in Regionen, wo es nicht genügend Nahrung gibt und haben keinen Zugang zu Nahrungsmitteln wie Milch und Eiern, die jene hochwertigen Proteine und andere wesentlichen Nährstoffe enthalten, die Kinder brauchen.
Derzeit besteht der Großteil der internationalen Nahrungsmittelhilfe aus inadäquaten Mais-Soja-Gemischen, die nicht die Nährstoffe enthalten, die kleine Kinder am meisten benötigen.
Einen Tag vor Beginn der G8- und G20-Gipfel in Kanada ruft UNICEF die Staats- und Regierungschefs deshalb dazu auf, das Wohlergehen und die Entwicklung der ärmsten Kindern gerade angesichts der Krise stärker zu fördern.
Die „Krankheiten der Armut“ wie die hohe Kinder- und Müttersterblichkeit in vielen Ländern oder Aids müssen konsequenter bekämpft werden. Die Kosten für Schulbildung in den Entwicklungs- und Schwellenländern müssen verringert und die Qualität erhöht werden.
Banken und Hungertod
Es gilt, Einkommensmöglichkeiten für die arme Bevölkerung zu schaffen und Zugang zu ausreichender Ernährung sicher zu stellen. Angesichts der Krise muss der Schutz der Kinder vor Ausbeutung gezielt verbessert werden, schließt die UNICEF.
„Wenn Milliarden verfügbar sind, um Banken zu retten, Unternehmen zu stabilisieren und Subventionen für technische Entwicklungen zu gewähren, dann darf die finanzielle Unterstützung für die ärmsten Kinder nicht verringert werden. Gerade hier haben wir die Gewissheit, dass Mittel für Ernährung, Bildung und Gesundheit einen hohen Ertrag bringen: für die Kinder und die Länder, in denen sie aufwachsen. Wir brauchen einen Aufschwung mit menschlichem Gesicht“, sagte Dr. Jürgen Heraeus, Vorsitzender von UNICEF Deutschland.
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Freitag, 10. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!



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