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SOZIALES

Migranten in deutschen Schulen strukturell benachteiligt


Berlin (11.6.10): Jugendliche mit Migrationshintergrund werden an deutschen Schulen und Hochschulen strukturell diskriminiert. Dies geht aus einem Bericht vom Paritätischen Wohlfahrtsverband und dem Forum der Migrantinnen und Migranten hervor. Der Verband fordert Strukturreformen und die Einbindung von Migrantenorganisationen.
Der Paritätischer Gesamtverband legt Bericht zur Bildungssituation junger Migrantinnen und Migranten vor, der eine strukturelle Diskriminierung ortet. Mit der Initiative „AB In die Zukunft!“ setzt sich das Forum für eine stärkere Bildungsbeteiligung von Migranten ein.

„Unser Bildungssystem fördert die soziale Segregation, reproduziert und zementiert soziale Ungleichheiten. Wer aus schwierigen sozialen Verhältnissen kommt, ist an unseren Schulen und Hochschulen schwer benachteiligt, wer noch dazu einen Migrationshintergrund mitbringt, ist es doppelt. Fast jeder dritte Jugendliche in Deutschland hat einen Migrationshintergrund und wir können vielen von ihnen kein sachgerechtes Bildungsangebot machen“, kritisiert Prof. Barbara John, Vorstandsmitglied des Paritätischen Gesamtverbandes.

Die Abschlussrate bei Jugendliche mit Migrationshintergrund ist deutlich geringer

Nach dem vorgelegten Bericht des Paritätischen macht mittlerweile fast jeder dritte deutsche Schüler Abitur, von den ausländischen Schülern nur jeder zehnte. Am gravierendsten, so der Bericht weiter, ist das Missverhältnis bei denen, die ganz ohne Abschluss die Schule verlassen: Dies sind sechs Prozent der deutschen, aber 15 Prozent der ausländischen Schülerinnen und Schüler.
„Auf die besonderen Herausforderungen einer multikulturellen Gesellschaft ist unser Schulsystem immer noch zu wenig vorbereitet. Statt das Potential der Mehrsprachigkeit und kulturellen Vielfalt zu wertschätzen, es aufzugreifen und zu fördern, wird dieses Potenzial der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund von den Erziehungs- und Bildungsinstitutionen weitestgehend ignoriert“, so John. Die eklatante Ausgrenzung von jungen Menschen mit Migrationshintergrund an den Schulen setze sich im Hochschulstudium fort. Nach den heute vom Paritätischen vorgelegten Zahlen sind nicht einmal drei Prozent (2,9 Prozent) der in Deutschland Studierenden Ausländer, die hier ihre Hochschulreife erworben haben.

Strukturreformen gefordert

Der Verband und das Forum der Migrantinnen und Migranten fordern umfassende Strukturreformen. „Wenn wir allen Kinder unabhängig von ihrer sozialen oder ethnischen Herkunft die gleichen Chancen zur Förderung geben wollen, muss unser Schulsystem durchgreifend reformiert werden“, fordert John. Der Verband fordert neben einer schulischen Bildungsgarantie und dem Ausbau von Ganztagsangeboten, eine durchgängige Sprachförderung, die interkulturelle Öffnung der Schulen sowie eine weitreichende Vernetzung mit außerschulischen Partnern wie Migrantenorganisationen, Jugendhilfe und Jugendsozialarbeit.

Der Bericht wurde im Rahmen der Bildungsinitiative des Forums „AB In die Zukunft!“ erarbeitet, deren Ziel es ist, dass mehr junge Menschen mit Migrationshintergrund das Abitur absolvieren und studieren. „Es geht uns darum, junge Migrantinnen und Migranten zu ermutigen, ihre Ressourcen und Potentiale voll auszuschöpfen trotz der bekannten Barrieren und Vorurteile“, so Tshikudi Londji, Sprecher des Forums der Migrantinnen und Migranten. Wichtig sei vor allem, dass die Erfahrungen der Migrantinnen und Migranten selbst endlich stärker in der Bildungsdebatte berücksichtigt werden.

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