In Thüringen startete gestern die Unterschriftensammlung für das erste Volksbegehren des Jahres 2010. Das Bündnis „Für eine bessere Familienpolitik“ will innerhalb von vier Monaten 200.000 Unterschriften sammeln, um sicher zu gehen, dass die Koalition von CDU und SPD ihre Versprechungen zum Ausbau der Kita-Betreuung in die Tat umsetzt.
Am 10.02.2010, ab 09:00 Uhr sammelten die Initiatoren des regionalen Trägerkreises des Volksbegehrens für eine bessere Familienpolitik im Landkreis Sömmerda die ersten Unterschriften. Trotz Kälte und Schnee zeigten sich die Bürgerinnen und Bürger aufgeschlossen gegenüber den inhaltlichen Forderungen des Volksbegehrens. In rund 2 Stunden konnten knapp 100 Unterschriften gesammelt werden.
Hintergrund ist, dass die CDU einen harten Sparkurs 2004 startete, der vor allem Kitas zu Opfer fielen. mehr als 600 Stellen wurden gestrichen und neue nicht geschaffen bzw. nicht nachbesetzt. So fehlen heute rund 2.000 Vollzeitstellen für eine Betreuung der Kinder. Konservative CDU-Politik will halt lieber Frauen wieder an Heim und Herd setzen. Jedoch, dieser Sparkurs wurde auch von der SPD damals mitgetragen.
Viele Volksbegehren in Deutschland
Und in Deutschland dürfte ein Art Boom der Volksbegehren ausgebrochen sein. Derzeit laufen 19 direktdemokratische Verfahren in zehn Bundesländern. Die Themen reichen vom Nichtraucherschutz über den Ausbau von Bildungsangeboten bis hin zur Rettung von Alleebäumen. 15 der Initiativen sammeln gerade Unterschriften, um ein Volksbegehren zu beantragen, oder haben die Sammlung bereits abgeschlossen.
Während die Thüringer Bildungs-Initiative heute in die zweite Stufe, das eigentliche Volksbegehren, eintritt, befindet sich die Initiative „Zum Erhalt der Realschulen in Schleswig-Holstein“ bereits im Endspurt und will noch im Februar die Unterschriftenzahl bekannt geben.
Der Verein Mehr Demokratie sieht im Volksbegehrens-Boom ein Zeichen für einen Umbruch in der politischen Kultur. „Die Bürger lassen sich nicht länger auf die Zuschauerränge verweisen lassen, wenn es um die Gestaltung ihrer Zukunft geht“, erklärt Michael Efler, Vorstandssprecher von Mehr Demokratie. „Während das Vertrauen in die Parteipolitik eher schwindet, wächst der Mut der Menschen, die Politik selbst in die Hand zu nehmen.“
Besonders wichtig ist dabei den regelmäßigen Volksbegehrensberichten des Vereins zufolge das Thema „Bildung und Kultur“. Allein 2009 liefen drei Bildungs-Volksbegehren, insgesamt gab es in der Bundesrepublik bisher 74. „Thüringen, Hamburg und Schleswig-Holstein zeigen, dass das Thema Bildung nicht am grünen Tisch der Politik entschieden werden kann, sondern mit den Bürgern diskutiert werden muss“, so Efler. „Das mag Entscheidungen verzögern – letztlich führt es aber zu größerer Akzeptanz und Zufriedenheit mit der Politik.“
Web: Volksbegehren „Für eine bessere Familienpolitik“> www.bessere-familienpolitik.de
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Samstag, 11. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!



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