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Studie: Finanzmarktkrise und Altersversorgung


Frankfurt a.M. (16.8.10): Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik hat eine Finanz- und Wirtschaftskrise nachhaltige Auswirkungen auf die Altersvorsorgesysteme, so eine aktuelle Studie des Forschungszentrum Generationenverträge an der Universität Freiburg.
Die Auswirkungen der Finanzmarktkrise seien auf die Altersvorsorge geringer als befürchtet, aber dennoch evident. Sowohl in der gesetzlichen Rentenversicherung als auch im Bereich der kapitalgedeckten Vorsorge sei mit überschaubaren Verlusten zu rechnen, aber Verlust ist Verlust.

Grund dafür sind die aktuell gute Erholung der Wirtschaft vom Wachstumseinbruch des Vorjahres und die langfristige Ausrichtung der Altersvorsorgesysteme. Hier meinen jedoch viele Beobachter, dass das aktuelle Wachstum mehr ein Strohfeuer sei, dass durch großzügige Staatshilfen an Betriebe möglich war wie auch die legendär teure Bankenrettung. Ob es sich hier um ein nachhaltiges Wachstum handelt, muss daher stark angezweifelt werden. Die Bundesregierung sieht im aktuellen Wachstum ein Wirtschaftswunder Marke "XL", was Opposition wie Gewerkschaften als Wunschtraum kritisieren.

Die Studie zu den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Alterssicherung in Deutschland, die Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen und Johannes Vatter vom Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg im Auftrag von Union Investment durchgeführt haben, kommt zum Resultat, dass der Anstieg der gesetzlichen Rente langfristig um 2,7 Prozent reduziert werde.

Trotz der aktuell positiven konjunkturellen Entwicklung machen die krisenbedingten strukturellen Verwerfungen innerhalb der Kapitalmärkte und die hohe Staatsverschuldung eine vollständige Rückkehr zum früheren wirtschaftlichen Wachstumspfad eher unwahrscheinlich, summiert die Studie.

Insgesamt rechnen die Autoren in dem wahrscheinlichsten Szenario mit einem langfristig negativen Effekt von rund 2,5 Prozent auf die Wirtschaftsleistung. Dadurch ist auch die gesetzliche Rentenversicherung von der Krise betroffen.

Der Rückgang des Wirtschaftswachstums führt nach den Berechnungen mittelfristig zu einem um 2,7 Prozent geringeren Rentenwert und somit zu einer Minderung der Altersrenten um rund 200 Mrd. Euro bis zum Jahr 2050.

"Verglichen mit den Auswirkungen der Rentenreformen der vergangenen 20 Jahre und im Verhältnis zur Gesamtsumme der bis zum Jahr 2050 zu zahlenden Altersrenten von knapp 7.000 Mrd. Euro relativiert sich diese Zahl jedoch erheblich", so Raffelhüschen.

Heutige Entscheidungen der Politik seien für die zukünftigen Renten viel bedeutender, so der Stehsatz der Autoren. So sei die von der Politik initiierte Rentengarantie letztlich eher eine vertrauensbildende Maßnahme als ein sinnvoller Schritt zur Eindämmung der Krisenfolgen, meinen die Studienautoren: "Im Kern wurden durch die Schutzklausel lediglich die heutigen Rentner auf Kosten der Steuer- und Beitragszahler, also der zukünftigen Rentner, besser gestellt. Sie trägt damit mehr zur mittel- und langfristigen Gefährdung der gesetzlichen Rentenversicherung bei als zum gegenwärtigen Schutz vor untragbaren Krisenfolgen", so Raffelhüschen.

Deutlich härter könnte die gesetzliche Rente getroffen werden, sollten sich die gegenwärtigen Wachstumsprognosen als zu optimistisch herausstellen. In dem eher unwahrscheinlichen Worst-Case-Szenario kommt es zu einer relativen Lücke bei den Altersrenten von etwa vier Prozent bis zum Jahr 2020, die dann – aufgrund eines geringeren Trendwachstums – auf bis zu 7,4 Prozent im Jahr 2050 anwächst.

In diesem Fall ergäben sich barwertige Einbußen von rund 370 Mrd. Euro, rechnen die Autoren vor. Zu einem solchen Szenario könnte es vor allem dann kommen, wenn sich die Schuldenkrise der öffentlichen Haushalte weiter ausweitet. Umgekehrt vermindern sich die Einbußen auf ein Prozent bzw. rund 100 Mrd. Euro bis zum Jahr 2050, falls die gegenwärtige Erholung überraschend dynamisch und nachhaltig ausfällt. In diesem Fall bleibt es bei relativen Verlusten beim Rentenwert von weniger als einem Prozent.

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