Die evangelische Hilfsaktion „Brot für die Welt“ und die Menschenrechtsorganisation FIAN werfen der internationalen Gemeinschaft Versagen bei der Hungerbekämpfung vor. „Zwischenstaatliche Organisationen verteilen Nahrungsmittel, Hybridsaatgut und Kunstdünger. Auf der anderen Seite verschärfen die Industrieländer ihre ungerechte Handelspolitik und tun nichts gegen den skandalösen Ausverkauf von Land in Afrika“, erklärt Ute Hausmann, Geschäftsführerin von FIAN Deutschland.
Die Organisationen verlangen eine grundlegende Reform der internationalen Ernährungsarchitektur unter dem Dach der Vereinten Nationen. „Das Menschenrecht auf Nahrung muss der klare Arbeitsauftrag sein“, so Bernhard Walter, Ernährungsexperte bei „Brot für die Welt“.
Trotz einer Rekordernte im vergangenen Jahr ist die Anzahl der Hungernden auf über eine Milliarde Menschen gestiegen. „Deshalb ist es unbegreiflich, dass Weltbank und die Welternährungsorganisation FAO in ihren Programmen fast ausschließlich auf Produktionssteigerung setzen“, so Hausmann. „Diese Programme wirken als Konjunkturpakete für die Saatgut- und Düngerindustrie, helfen aber nicht den Hungernden.“ Denn es ist eine Umverteilungsfrage.
Was nützt es, wenn beispielsweise viel Mais oder Reis angebaut wird , aber die Menschen diesen sich nicht leisten können und vor den vollen Feldern verhungern. Auf der anderen Seite wird durch die Subventionierung billiger Agrarproduktionen in Europa, USA aber auch Russland, der Kleinbauer vor Ort in einem ruinösem Wettbewerb aufgerieben, wo er keine Chance hat, denn die führenden Wirtschaften dieses Landes unterstützen mit Subventionen ihre Agrogroßindustrie, um einen aggressiven Export möglich zu machen. Da gilt die viel beschworene Marktwirtschaft nicht mehr und die freien Kräfte des Marktes: Dieser wird eindeutig durch die Subventionspolitiken verzerrt und kosten auch den Bürger der jeweiligen Staaten viel Geld mit wenig Return und Schaffung von Arbeitsplätzen. Einige wenige Großagroindustrielle profitieren davon.
Hunderttausenden Kleinbauern, Indigenen und Hirten in Afrika droht laut Hausmann die Vertreibung, wenn ihre Landrechte gerade gegenüber Großinvestoren nicht gestärkt werden. „Stattdessen forciert die Weltbank die Privatisierung von Land im Interesse dieser Investoren.“ Scharfe Kritik übte sie auch an der Handelspolitik der EU: „Von Entwicklungsländern fordert die EU Marktöffnung, während sie selbst ungeniert Exportsubventionen wieder einführt.“
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