Eine Woche vor dem Gipfel der G20-Regierungschefs vom 26. bis 27. Juni in Toronto veröffentlicht das globalisierungskritische Netzwerk Attac einen Liste von 376 renommierten Ökonominnen und Ökonomen aus aller Welt, die in einem Brief an die G20 die Einführung einer Finanztransaktionssteuer (FTS) fordern.
Unter den Unterzeichnenden sind zahlreiche ProfessorInnen renommierter Institute, darunter auch Jeffrey Sachs, Professor an der Columbia University. Sachs: "Ich unterzeichne diesen Brief gemeinsam mit weltweit hunderten Ökonominnen und Ökonomen, weil ich glaube, dass die FTS technisch umsetzbar und moralisch richtig ist um das von den Banken verursachte Schlamassel zu bereinigen. Ich plädiere seit langem für diese Steuer, die Milliarden Dollar für die Bekämpfung des Klimawandels und die Erreichung der UNO-Milleniumsziele einbringen würde."
Auch zahlreiche prominente österreichische Ökonominnen, wie Kurt Rothschild, Stephan Schulmeister oder Kunibert Raffer haben den Brief unterzeichnet.
"Sowohl in Europa als auch in armen Ländern zwingt die - vom Finanzsektor verursachte - Wirtschaftskrise Regierungen dazu, drastisch ihre Haushaltsdefizite zu verringern. Statt bei Sozialausgaben, Entwicklungshilfe und Klimamaßnahmen zu kürzen, ist es an der Zeit, jene zu besteuern, die uns in diese Lage gebracht haben", sagt Küblböck, Ökonomin an der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung und Mitbegründerin von Attac Österreich.
Für Attac ist eine – wie auch immer gestaltete - Bankenabgabe keinesfalls ein Ersatz für eine FTS, sondern lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein. Eine Bankenabgabe - noch dazu als völlig unzureichender Versicherungsfonds - würde die Weltwirtschaft keinesfalls weniger krisenanfällig machen und nur einen Bruchteil der notwendigen finanziellen Mittel zur Bekämpfung der Krisen sicherstellen.
Der Brief im Wortlaut
Sehr geehrte G20,
Als Volkswirtschaftler aus allen Teilen der Welt ersuchen wir Sie, eine Finanztransaktionssteuer (FTT) umzusetzen.
Die Steuer ist eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Die Finanzkrise hat uns die Gefahren eines ungeregelten Finanzsektors gezeigt, und die Ordnung zwischen dem Finanzsektor und der Gesellschaft ist zu Bruch gegangen. Nun ist es an der Zeit, dass der Finanzsektor der Gesellschaft etwas zurückgeben kann.
Schon bei sehr niedrigen Gebühren von 0,05% oder darunter könnte die Steuer Hunderte von Milliarden Dollar jährlich einbringen und übermäßige Spekulationen eindämmen. Großbritannien erhebt bereits eine Steuer auf Aktientransaktionen von 0,5%, - das Zehnfache dieses Satzes - ohne dass sich dies übermäßig auf die Wettbewerbsfähigkeit der City of London auszuwirken.
Dieses Geld ist dringend nötig. Die sozialen Krisen und der Klimawandel erfordern einen historischen Transfer von Millionen von Dollar von der reichen zur armen Welt. Diese Steuer würde bei der Finanzierung helfen.
Angesichts automatischer Zahlungssysteme ist diese Steuer technisch durchführbar. Sie ist moralisch richtig. Wir ersuchen Sie daher dringend, sie zu implementieren.
Mit freundlichen Grüßen
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Sonntag, 12. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!



VERMISCHTES
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