Das Europäische Jahr 2010 ist der Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung gewidmet. Dies ist grundsätzlich positiv und wichtig, wenn man auch sprachkritisch anmerken muss, dass die martialische, negative Begriffsbildung kommunikativ konterproduktiv wirkt. Vielleicht kann man sich ja mal eine positive Formulierung ausdenken, wie Schaffung von Wohlstand für Arme und Chancengerechtigkeit.
26 prominente Österreicherinnen und Österreicher aus Politik, Sport, Wissenschaft, Kultur sowie für ihr soziales Engagement bekannte Persönlichkeiten fungieren als BotschafterInnen für Menschen, die in Armut und sozialer Ausgrenzung leben.
Dies ist grundsätzlich gut, doch wer die österreichische Realverfassung kennt, weiß, man ist stark im Zeichen setzen, im Machen eher weniger. So wirkt die Maßnahme ein wenig abgehoben und wenig konkret. Die gern bemühte Formel von der "Bewußtmachung" greift einfach nicht, denn es ist ja nicht die erste Aktion der EU zur "Bekämpfung" der Armut und aktuelle Zahlen in Europa belegen, genutzt hat es nicht.
So schreibt die Arbeiter Kammer (AK) in ihrer heutigen Pressemitteilung zur dramatisch zunehmenden Jugendarbeitslosigkeit: "Im Vergleich zum Juli 2008 ist die Jugendarbeitslosigkeit um 32,2 Prozent gestiegen. Die Anzahl an Lehrstellensuchenden ist um 9,4 Prozent und die Anzahl an Jugendlichen in Schulungsmaßnahmen sogar um 57,7 Prozent emporgeschnellt."
Das Europäische Jahr 2010 soll Ursachen und Folgen von Armut in Europa stärker in den Blickpunkt rücken, kann man daher in der lächelnden Pressemitteilung der österreichischen Kommunikationsplattform, die von der Pleon-Publico betreut wird, für das EU-Jahr lesen.
26 bekannte Österreicherinnen und Österreicher, u.a. Margit Fischer, TV-Moderatorin Barbara Stöckl, die Schriftstellerin Julya Rabinowich, Peter und Willi Resetarits, Caritas-Präsident Franz Küberl, Tischtennis-Weltmeister Werner Schlager, Flüchtlingsbetreuerin Ute Bock, Sozialwissenschaftlerin Christine Stelzer-Orthofer, Politikwissenschaftler Emmerich Tálos, neunerHAUS-Geschäftsführer Markus Reiter, der Leiter des Krankenhaus Barmherzige Brüder Reinhard Pichler uvm., unterstützen dieses Ziel und fungieren als BotschafterInnen des Europäischen Jahres.
Ihre Aufgabe ist es, ein besseres Verständnis für Armut und soziale Ausgrenzung in der Bevölkerung zu schaffen, Stereotype abzubauen und die Wichtigkeit der gemeinsamen Übernahme von Verantwortung zu unterstreichen, heißt es weiter. Das ist ein zähes wie verdienstvolles Projekt in Österreich und in der einen oder anderen Agentur, die die Kampagnisierung der "Bekämpfung" durchführt, wird es möglicherweise Arbeitsplätze sichern und in den evaluierenden Ministerien solche mutmaßlich legitimieren. Auch ein Resultat.
"Ein solides System sozialer Sicherheit und individuelles Verantwortungsgefühl für Menschen in Not sind die wichtigsten Grundpfeiler im Kampf gegen Armut und Ausgrenzung. Alle Aktivitäten, die dem selbständigen Erwerb von Wissen und dem Erwerb beruflicher Fähigkeiten dienen, leisten nachhaltige Beiträge im Sinne des Jahres zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung", ist Margit Fischer überzeugt. Die Gattin des österreichischen Bundespräsidenten engagiert sich schon seit langem für die Armutsbekämpfung in Österreich in enger Zusammenarbeit mit der Hilfsorganisation Volkshilfe.
Insgesamt unterstützen europaweit mehr als 130 prominente Persönlichkeiten das Europäische Jahr 2010, erfährt man: "Ich bin hocherfreut, dass wir so viele wichtige Persönlichkeiten als BotschafterInnen gewinnen konnten. Ihr persönlicher Einsatz und ihr Engagement zeigt einmal mehr, dass die Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung in unser aller Verantwortung liegt", erklärt László Andor, Kommissar für Beschäftigung, Soziales und Integration.
Na dann, auf in den "Kampf".
Webtip: Maßnahmen zur "Bekämpfung" von Armut ohne EU-Finanzierung und aus unternehmerischen Engagement heraus > bit.ly/b7rfsx
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Freitag, 10. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!



VERMISCHTES
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