In Norwegen ist eine Frauenquote von 40 % für börsennotierte Unternehmen gesetzlich vorgeschrieben und in der deutschen Politik trägt man sich auch an vielen Orten mit den Gedanken, eine solche Quote einzuführen. Zähneknirschend nahm die Familienministerin Schröder den Quotenvorstoß der Deutschen Telekom hin, was wohl alles über das Familienbild der Familienministerin aussagt. In der FTD vom heutigen Tage führt sie aus, dass sie diese Quote der Deutschen Telekom als Symptomkur sehe und nicht als Ursachenbehandlung. Nicht gerade Worte, die andere DAX-Unternehmen ermutigen dürften, dem Besipiel zu folgen.
Hier zeigt sich die Wirtschaft und in diesem Falle die Deutsche Telekom moderner, innovativer und zukunftsorientierter mit der Einführung der Frauenquote, wie der Konzern heute verkündete, als die Politik, die vor allem in konservativen und "liberalen" Kreisen mehr und mehr vor-modern wirkt, indem sie beispielsweise noch immer auf Nepotismus setzt wie die FDP.
Das Ziel ist gut und kann als erster vielversprechender Aufschlag betrachtet werden: Bis Ende 2015 sollen 30 Prozent der oberen und mittleren Führungspositionen im Unternehmen mit Frauen besetzt sein. Diese Regelung soll weltweit angewendet werden. Die Deutsche Telekom verspricht sich durch mehr Vielfalt im Management langfristig eine höhere Wertschöpfung für das Unternehmen. Ein Zusammenhang - Vielfalt und Wertschöpfung - lang und früh argumentiert von Experten der Nachhaltigkeit und oft als Spinnerei abgetan. Nun scheint man sich diesem betriebswirtschaftlichen Argument endlich folgen zu wollen und man darf hoffen, dass dieses Beispiel Schule macht bei den weiteren DAX-Unternehmen.
"Mehr Frauen in Führungspositionen ist kein Diktat einer falsch verstandenen Gleichmacherei. Es ist ein Gebot der gesellschaftlichen Fairness und vor allem eine handfeste Notwendigkeit für unseren Erfolg. Mit mehr Frauen an der Spitze werden wir einfach besser", begründete Telekom-Chef René Obermann die Entscheidung des Konzernvorstands für die Frauenquote.
Personalvorstand Thomas Sattelberger lässt nicht den geringsten Zweifel daran, dass die Quote auf keinen Fall die Anforderungen an Bewerber für Führungspositionen bei der Deutschen Telekom heruntersetze. Die Frauenquote sei auch eine kantige Antwort auf die mittelfristige Entwicklung des Arbeits- und Talentmarktes, so Sattelberger. Bereits heute seien beispielsweise rund 60 Prozent der Absolventen von wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen an deutschen Hochschulen
Frauen. „Dennoch hindert eine ‚gläserne Decke’ offensichtlich zu viele weibliche Talente an ihrem Weg nach oben. Mit der Frauenquote werden wir diese Decke durchbrechen“, sagt der Telekom Personalvorstand.
Und vor wenigen Tagen hat die ver.di mitgeteilt anlässlich des Frauentages am 8. März: "Auch wenn es vereinzelt Fortschritte gibt: Der Nachholbedarf für Frauen bleibt enorm", sagte die stellvertretende Vorsitzende der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), Margret Mönig-Raane, anlässlich des Internationalen Weltfrauentages.
In Deutschland verdienen Frauen durchschnittlich 23 Prozent weniger als Männer. Dies gelte ganz besonders im Bereich personenbezogener Dienstleistungen, wo überwiegend Frauen beschäftigt seien, häufig in Teilzeit oder zu sehr niedrigen Löhnen. Ein weiterer Grund für den Lohnunterschied sei aber schlicht Diskriminierung, führt ver.di aus. Auch in den Vorständen und Aufsichtsräten von Deutschlands Top Unternehmen seien Frauen immer noch kaum vertreten. Lediglich 2,5 Prozent aller Vorstandsmitglieder der 200 größten Wirtschaftsunternehmen seien weiblich. Vor diesem Hintergrund kann man den Sprung, den die Deutsche Telekom da setzen will, erst richtig erfassen: Es ist ein Faktor 12.
Überzeugt ist der Vorstand der Telekom auch von der betriebswirtschaftlichen Notwendigkeit der Frauenquote. Studien belegen, dass Unternehmen mit einem höheren Frauenanteil ein signifikant besseres Unternehmensergebnis und höhere Rentabilität erzielen. Anleger und Fonds achten außerdem verstärkt auf nachhaltiges Wirtschaften, wozu auch die Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen gehört. Als nächstes sollte man sich daher, die Schließung der Lohnschere zwischen Mann-Frau vornehmen. Auch das wird zum betriebswirtschaftlichen Vorteil sein und volkswirtschaftlich sowieso. Und vielleicht mag ja hier ein DAX-Konzern vorpreschen.
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Samstag, 11. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!



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