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WIRTSCHAFT

Deutsche Unternehmen planlos vor EU-Emissionshandel


Berlin (3.7.10): Das heute zum zweiten Mal veröffentlichte KfW/ZEW CO2-Barometer zeigt, dass deutsche Unternehmen sich nur unzureichend mit den Chancen und Risiken des EU-Emissionshandelssystems (EU EHS) befassen. Zwei Drittel haben sich noch nicht mit den möglichen Kosten auseinandergesetzt, die ab 2013 auf sie zukommen.
"Die Ergebnisse des diesjährigen KfW/ZEW CO2-Barometers zeigen, dass die Unternehmen dringend mit den internen Vorbereitungen für die nächste Phase des EU-Emissionshandels beginnen und ihre Unternehmensstrategien anpassen sollten", sagt Dr. Norbert Irsch, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe.

Obwohl der Emissionshandel bereits im Jahr 2005 eingeführt wurde, hat ein Großteil der Unternehmen die für ein effizientes Carbon Management erforderlichen internen Strukturen und Abläufe noch nicht ausreichend aufgebaut. Demzufolge fehlen ihnen oft entscheidende Informationen. Beispielsweise haben zwei Drittel der Unternehmen bisher nicht systematisch untersucht, wie sie im Rahmen ihrer Produktionsabläufe CO2 einsparen könnten.

Seit Beginn des Emissionshandels haben 63 % der Befragten CO2-Vermeidungsmaßnahmen durchgeführt. Jedes fünfte Unternehmen stieß dabei auf Finanzierungsprobleme und konnte daher beabsichtigte Maßnahmen zur Treibhausgasvermeidung nicht oder nur in geringerem Umfang umsetzen. Derzeit planen 57 % der Befragten, in den nächsten zwei Jahren eine Minderungsmaßnahme durchzuführen. Investitionen in Energieeffizienz-Technologien nehmen dabei zu. Gleichzeitig gewinnt CO2-Minderung als Hauptziel von Investitionen oder Optimierungsmaßnahmen an Bedeutung.

Nur die Hälfte der Befragten hat im Jahr 2009 die Möglichkeit des Handels mit Emissionsrechten genutzt. Hauptgründe sind die ausreichende Zuteilung von kostenlosen Zertifikaten und die Sorge der Unternehmen, ihr Zertifikatehandel könnte als „spekulatives Geschäft“ bewertet werden.

Ein weiteres zentrales Ergebnis des CO2-Barometers ist, dass Unternehmen mit geringen Emissionen (Kleinemittenten), durch die im Rahmen des EU-Emissionshandels auf sie zukommenden Kosten deutlich stärker belastet werden als Unternehmen, die größere Mengen CO2 emittieren (über 25.000 Tonnen pro Jahr).

"Kleinemittenten entstehen überproportional hohe Kosten für die im Rahmen des Emissionshandels vorgeschriebene Überwachung der eigenen Emissionen, das daraus resultierende Berichtswesen sowie die Verifizierung der erhobenen Daten. Auch die Identifizierung von Vermeidungsoptionen und die Beschaffung von Marktinformationen sind mit Kosten verbunden.

"Eine Einbindung des Klimaschutzes in Unternehmensabläufe findet daher insbesondere bei Kleinemittenten häufig nicht statt", sagt Dr. Andreas Löschel, Leiter des Forschungsbereichs Umwelt- und Ressourcenökonomik am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

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