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WIRTSCHAFT

 

Deutscher Nachhaltigkeitspreis


Berlin/Düsseldorf (5.3.08): Im ZDF-Studio Berlin wurde der neue Nachhaltigkeitspreis für deutsche Unternehmen und Marken präsentiert. Es geht um die Prämierung der Nachhaltigkeit aus der Innensicht und Enttarnung der "Tarnkappenbomber". Die Bewerbung für diesen Preis ist ab sofort möglich.
Stefan Schulze-Hausmann präsentierte als Moderator und Co-Initiator diesen neuen Preis für deutsche Unternehmen. Grundidee ist eine zweifache: Erstens, will man die nachhaltigsten Unternehmen Deutschlands finden. Sie sollen ihre Nachhaltigkeitsansätze von innen heraus darstellen.

Zweitens, will man aber auch die Marken auf ihre Nachhaltigkeit hin überprüfen; dies meint nun weniger, ob die Marke nachhaltig und wirksam in die Köpfe gebracht worden ist, sondern man will "...die Tarnkappenbomber enttarnen", so Udo Klein-Böhling, CEO von der BBDO Consulting, die ebenfalls diesen Preis mitträgt. Es geht also um die Beurteilung der Markenkommunikation, ob sie inhaltlich dem Nachhaltigkeitsgedanken entspricht.

Im Eigenverständnis definieren die Initiatoren des Preises ihren Anspruch folgend: "Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis prämiert Unternehmen, denen es auf vorbildliche Weise gelingt, in den einzelnen Gliedern der Wertschöpfungskette ihre ökologische, ökonomische und soziale Verantwortung in Einklang zu bringen. Im Fokus stehen konsequentes Nachhaltigkeitsmanagement und markenprägende Kommunikation zu Nachhaltigkeitsthemen."

Doch der Reihe nach: Gesamt besteht diese Preisinitiative aus drei ineinander verschränkten Teilen: Dem Wettbewerb, einem Symposium rsp. Gala und einer Studie.

Der Wettbewerb

Dieser startet ab sofort und alle Unterlagen wie Online-Fragebogen stehen auf der Website wwww.deutscher-nachhaltigkeitspreis.de als Download zur Verfügung. Grundsätzlich können alle deutschen Unternehmen egal welcher Größe oder Branche einreichen, also vom Konzern bis hin zum Einpersonen-Unternehmen.

Die Einreichfrist endet am 30. Juni! Grundsätzlich gilt es im ersten Schritt, online einen sehr anspruchsvollen Fragebogen auszufüllen, der von der Baratungsagentur ATKEARNEY entwickelt und von Otto Schulz (Partner ATKEARNEY) präsentiert worden ist. Auf Rückfrage der Glocalist Medien, ob sich der Fragebogen eher an GRI oder ISO oder EMAS orientiere, meint Schulz, man habe alle Ansätze integriert; also eine Art best-of-Methode. Methodisch möchte man alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit (Ökologie, Ökonomie und Soziales) in ihrer gesamten Wertschöpfungskette beurteilen.

Der Wettbewerb selbst sieht vor, dass nach erfolgreicher Onlinebewerbung die TOP 30 ausgewählt werden. Diese TOP 30 werden einer genaueren Analyse unterzogen. Aus diesen kristallisieren sich die TOP 10 heraus, die anschließend besucht werden. Aus dieser evaluierenden Besuchstour werden schließlich die TOP 5 nominiert, die dann der Jury vorgelegt werden, die ihre Entscheidung schließlich trifft, wer denn die besten drei nachhaltigsten Unternehmen und Marken in Deutschland sind.

Die Jury

In der 15-köpfigen Jury finden sich von Klaus Töpfer (Bundesminister a.D), Angelika Zahrnt (Ehrenvorsitzende BUND) über Franz Josef Radermacher (Global Marshall Plan) bis hin zu Hans Joachim Schellnhuber (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung) durchaus anerkannte ExpertInnen für die Frage Nachhaltigkeit. Vorsitzender der Jury ist Günther Bachmann, Generalsekretär des Rat für Nachhaltige Entwicklung.

Problematisch erscheint, dass der Frauenanteil in der Jury verschwindend ist - wiewohl im Onlinefragebogen unter dem Punkt "Gendering" die Frauenquote sehr wohl abgefragt wird - wie auch, dass in der Jury die "Trägerorganisationen" sitzen, die die vorbereitende Arbeit für die Jury leisten. Hier sind zwei Problemfelder zu benennen: Erstens, Trägerorganisationen des Preises wie ATKEARNEY oder BBDO oder die PR-Agentur komm.passion haben zahlreiche Kunden, die sehr wohl einreichen könnten (und es wohl auch werden) und zweitens, sollte man aus Gründen der Methodik nicht seine eigenen Ergebnisse, die man selber erhoben hat, evaluieren.

Zum ersten Punkt - der Interessensverschränkung - meint der Initiator zu den Glocalist Medien, Schulze-Hausmann, man werde transparent machen wie und welche Kunden/Klientenverhältnisse vorliegen.

Und wie geht es weiter? Das Symposium

Die Sieger werden im Herbst 2008 im Rahmen des Symposiums zum Deutschen Nachhaltigkeitspreis in Düsseldorf bekannt gegeben, in dem auch die CEOs, Nachhaltigkeits- oder Markenverantwortlichen der Finalisten die vorbildlichen Best Practices darstellen können. Organisatoren und Juroren erläutern die wesentlichen Ergebnisse des Wettbewerbs. Externe Key Note Speaker setzen sie in ökologischen, politischen und gesellschaftlichen Kontext. Die Sieger erhalten ihre Auszeichnungen am gleichen Abend im Rahmen einer festlichen Preisverleihung mit anschließendem „Ball der Marken“. Also, viel Lob und Esprit.

Die Studie

Nachdem nun zahlreiche Unternehmen den Online-Fragebogen ausgefüllt haben, will man die daraus resultierenden Ergebnisse nicht dem digitalen Orkus weihen, sondern sie im Sinne einer Studie aggregieren, um so ein Bild der Nachhaltigkeit bei deutschen Unternehmen und Marken zeichnen zu können.

Kleingedrucktes, Geld, über den Sinn von Preisen und Gurus

Als kleinen Anreiz einzureichen, erhaltet jedes einreichende Unternehmen eine zusammenfassende Benchmarkstudie, wo es seinen dzt. Stand ersehen kann. Die Einreichung ist grundsätzlich kostenfrei, es werden lediglich 300 Euro eingehoben, die dazu dienen sollen, die Preisverleihung mit einem Co2-Freikauf durchführen zu können. Auch hat man sich verpflichtet, dass Catering, Buffet etc. pp. fair, fairtrade-orientiert und kontrolliert-biologisch sein sollen, kurz man möchte einen vorbildlichen Galabend in Düsseldorf im Hotel Maritim bieten können: Ein Versprechen an die Zukunft.

Der Galaabend wird aber nicht kostenlos sein, hier werden Eintrittspreise eingehoben, um den Abend zu finanzieren. Jedoch hat man den Glocalist Medien versichert, dass man auch günstige Karten und sogenannte Wild-Cards, also Freikarten, vergeben resp. verlosen will; denn Nachhaltigkeit darf nicht an Einkommensschranken zerschellen.

Auf Frage der Glocalist Medien haben alle Trägerorganisationen versichert, dass sie ihre Arbeit pro-bono und kostenlos zur Verfügung stellen, also strikte Ehrenamtlichkeit, was schon sehr vorbildlich ist.

Sympathisch auch, dass kein Preisgeld vergeben wird, d.h. es wird schon ein Preisgeld vergeben, dies wird aber mit der Auflage versehen, dass der Sieger eine gemeinnützige Organisation namhaft machen muss, die das Preisgeld dann als Spende erhaltet. Und diese Spende wird sich sehen lassen können: 50.000 Euro Preisgeld sind vorgesehen!

Auf die Frage der Glocalist Medien, ob die Trägerorganisationen selber schon Nachhaltigkeitsberichte vorzuweisen haben, meint Udo Klein-Böhling von der BBDO Consulting sinngemäß, dass man hier sich selbst noch überprüfen müsse und dies als Auftrag sehe, bald den eigenen Anspruch auch einzulösen und sagt abschliessend, man sehe sich nicht in der Rolle der Nachhaltigkeitsgurus, sondern man versuche einfach Zeichen und Initiative zu setzen.

Als Trägerorganisationen, Initiatoren und Partner treten für diesen neuen Preis für Nachhaltigkeit der Unternehmen und Marken auf: ATKEARNEY, BBDO Consulting, Rat für Nachhaltige Entwicklung, der Markenverband, BWA, VDI Technologiezentrum, Wuppertal Institut, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Claus Koch, komm.passion, Initiative pro Recycling-Papier, BMS-Consulting, guest-contro und Maritim Hotels. Die Gesamtorganisation liegt bei der Kommunikationsagentur Coment.

Gesamt ist es sinnvoll und begrüssenswert, wenn es neue Preise zum Thema CSR, Nachhaltigkeit etc. pp. gibt, denn sie unterstreichen nur die Ernsthaftigkeit und auch die Notwendigkeit zu mehr Nachhaltigkeit und dokumentieren ein Umdenken.

Innovativ an diesem Preis dürfte sein, dass er Nachhaltigkeit in einem sehr aufwendigen Stufenverfahren aus der "Innensicht" heraus beurteilen will, d.h. nach den Angaben von Unternehmen, und dass auch die Markenfrage, sprich Kommunikation, nach Nachhaltigkeit abgeklopft wird, denn die Frage der Kommunikation war bisher eine eher vernachlässigte Fragestellung wie Herausforderung, die aber eminent ist, da Nachhaltigkeit in den Köpfen beginnt (wiewohl sie dort nicht enden darf). Sicher sind - wie bei jedem Preis - einige Haken und Ösen auszumachen, aber die Träger versuchen dies nicht klein zu reden, insoferne ist ihnen Bemühen und Glaubwürdigkeit zu attestieren, wie auch dem Engagement Anerkennung zu zollen ist, da dies von Unternehmen ehrenamtlich, ohne Fördertöpfe abzugreifen, durchgeführt wird, quasi aus eigener Kraft. Wenn sich daraus win-win Situationen ergeben mögen, so ist dies ganz im Sinne der Nachhaltigkeit, denn sie hat nur als win-win Situation Zukunft und Bestand, wie Alexander Güttler, CEO von komm.passion, abschließend bemerkt.




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