Das ist das zentrale Ergebnis einer neuen Studie des DIW Berlin zur Einkommensverteilung in Deutschland auf Basis von Daten des Sozio-Oekonomischen Panels (SOEP).
Und die Financial Times Deutschland (FTD) weiß Dietmar Hopp, SAP Mitbegründer und Milliardär, heute zu zitieren, der meint: "Es bleibt ja keine andere Wahl", sagte Hopp. Die Forderung nach einem höheren Spitzensteuersatz erscheine ihm "gerechtfertigt, weil man nicht nur die Sozialleistungen kürzen darf", sagte Hopp." (FTD vom 15.6.10). In diesem Zusammenhang fordert Hopp weiter, dass auch die Steuerschlupflöcher endlich zu schließen seien und die Mehrwertsteuer-Privilegierung von Hotelbetrieben abgeschafft werden müsse.
Die DIW-Studie zeigt deutlich, dass nicht nur die Anzahl Ärmerer und Reicherer immer weiter wächst – seit zehn Jahren werden ärmere Haushalte auch immer ärmer. Für die DIW-Experten Martin Gornig und Jan Goebel ist das eine besorgniserregende Entwicklung: "Dieser Trend verunsichert die Mittelschicht", sagen sie.
Nur 60 Prozent der Menschen in Deutschland gehören noch zur Mittelschicht, mit Nettoeinkommen zwischen 860 und 1.844 Euro. 2000 waren es noch mehr als 64 Prozent. Also ein Abgang von 4% und dies nicht nach oben, sondern nach unten.
Korrespondierend dazu: Stark gestiegen ist vor allem die Zahl der Menschen mit niedrigem Einkommen, von 18 Prozent 2000 auf fast 22 Prozent 2009.
Zudem steigt die Zahl der Menschen mit Niedrigeinkommen nicht nur immer mehr an – diese Gruppe verdient auch in absoluten Zahlen immer weniger: Verdiente ein Singlehaushalt der unteren Einkommensgruppe 2000 im Schnitt noch 680 Euro, waren es 2008 nur noch 645 Euro. Gleichzeitig ist auch der mittlere Verdienst höherer Einkommensgruppen gestiegen, von 2.400 auf 2.700 Euro – der Abstand zwischen Arm und Reich vergrößerte sich also erheblich.
Hauptursache für die zunehmende Entfernung der Einkommensgruppen voneinander sei vor allem die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt: "Wenn die Zahl der Beschäftigten zurückgeht, steigt die Zahl der Menschen in unteren Einkommensgruppen." Deshalb habe die Wirtschaftskrise 2009 dank des „deutschen Jobwunders“ auch keine massiven Auswirkungen auf die Einkommensverteilung gehabt. Bei steigenden Beschäftigtenzahlen würde diese Entwicklung aber nicht umgekehrt, sondern nur gestoppt.
In das Bild passt auch die aktuelle Arbeitsmarktstatistik vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden, welches einen Rückgang von rund 3,7% an Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe konstatiert: In Deutschland waren Ende April 2010 in den Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes mit 50 und mehr Beschäftigten nach vorläufigen Ergebnissen gut 4,9 Millionen Personen tätig. Das waren nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) rund 191 000 Personen oder 3,7% weniger als im April 2009. Überdurchschnittlich verringerte sich die Beschäftigtenzahl unter anderem in den Bereichen Maschinenbau (– 5,0%), Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (– 5,1%) sowie Herstellung von Metallerzeugnissen (– 6,4%).
Besorgniserregend sei der Trend zur Einkommenspolarisierung besonders im Hinblick auf die schrumpfende Mittelschicht. "Mittlere Schichten begründen ihren Status nicht auf Vermögen, sondern auf Einkommen", sagt Martin Gornig.
Auch das geplante Sparpaket der Bundesregierung hält Jan Goebel vor dem Hintergrund der beobachteten Entwicklung für zu einseitig: "Die bisher gemachten konkreten Vorschläge betreffen nur die unteren Einkommen. Der Anteil der Reichen aber steigt stetig und die Reicheren verdienen auch immer besser. Da stellt sich schon die Frage, ob diese Gruppe nicht auch einen Sparbeitrag leisten sollte."
Man darf aber davon ausgehen, dass dies nicht passieren wird, da wird die Bundesregierung schon außen vor sein und ihre Klientelpolitik fortsetzen. Bundeskanzlerin Merkel hat auch klar gemacht, dass die Kundgebungen gegen den Sozialabbau voriges Wochenende in Berlin und Stuttgart sie genau nicht beeindrucken und sie nicht abrücken lassen werden vom eingeschlagenen Kurs.
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Samstag, 11. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!



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