Wie kein anderer Energiekonzern setzt E.ON in Deutschland weiter auf klimaschädliche Investitionen in neue Kohlekraftwerke. Entgegen dem allgemeinen Trend will E.ON auch in den nächsten Jahren gleich an vier Standorten neue klimaschädliche Steinkohlekraftwerke bauen, fasst Germanwatch seine Kritik zusammen.
"Der heute (10.3., Anm. d. Red) veröffentlichte E.ON-Geschäftsbericht 2009 verschleiert nicht nur die Verantwortung des Unternehmens für den Klimawandel, sondern auch zentrale Unternehmensrisiken", sagt Sven Harmeling von Germanwatch, einem Mitglied der Klima-Allianz. "Neue Kohlekraftwerke blockieren die Energiewende hin zu erneuerbaren Energien. Sie sind klimapolitisch nicht zu verantworten. Zudem sind die wirtschaftlichen Risiken des Neubaus von Kohlekraftwerken für die Aktionäre erheblich." Hierauf haben bereits zahlreiche Studien aufmerksam gemacht, darunter zuletzt eine Studie der WestLB und eines von Germanwatch geleiteten Forschungskonsortiums.
"Während andere Konzerne sich zunehmend vom Neubau von Kohlekraftwerken verabschieden, setzt E.ON seine fossile Investitionspolitik mit dem Bau von vier Kraftwerken unbeirrt fort", erklärt Elias Perabo von der Klima-Allianz, einem breiten gesellschaftlichen Bündnis aus insgesamt über 100 Organisationen aus den Bereichen Umwelt, Entwicklung, Kirche, Verbraucherschutz und Gewerkschaften.
Hohe Verluste für Energiekonzern GDF Suez
Allein in den letzten 12 Monaten wurden in Deutschland bereits sieben Kohlekraftwerksprojekte gestoppt. Erst letzte Woche musste der Energiekonzern GDF Suez einen Verlust von 113 Millionen Euro abschreiben, nachdem die Pläne für den Bau eines Kohlekraftwerkes in Stade auf Grund von Protesten und juristischen Schwierigkeiten gescheitert waren. "Kohlekraftwerke sind weder wirtschaftlich noch politisch in Deutschland durchsetzbar", so Perabo. "Bei einem endgültigen Baustopp für das E.ON-Kohlekraftwerk in Datteln würde dem Konzern ein Verlust von über einer Milliarde Euro entstehen."
Das in Datteln geplante Kraftwerk ist das größte momentan im Bau befindliche Steinkohlekraftwerk Europas. Mitte September letzten Jahres hatte das Oberverwaltungsgericht Münster den Baustopp für das E.ON-Megakraftwerk verhängt. Daneben plant E.ON neue Kohlekraftwerke in Stade, Staudinger/Großkrotzenburg und Wilhelmshaven.
"Wer etwas für den Klimaschutz tun will und gleichzeitig nicht den Kohle-Irrweg von E.ON mitfinanzieren möchte, sollte deshalb so schnell wie möglich zu einem Ökostrom-Anbieter wechseln", rät Harmeling. "Zahlreiche Anbieter bieten bereits Strom aus 100 Prozent Erneuerbaren an. Bei E.ON sind es - zieht man die längst abgeschriebenen Wasserkraftwerke ab - weniger als ein Prozent."
Hintergrund
Im E.On Geschäftsbericht steht im Kapitel "Strom und Gas" der Energiemix des Konzernes beschrieben. (Seite 10/11): "In unserem Geschäft zählen Größe und ein breiter Energiemix." Der Energiemix wird auf der Seite 11 unter der Überschrift "Strom" dann wie folgt beschrieben: "… Darüber hinaus verfügen wir über eines der breitesten und ausgewogensten Erzeugungsportfolios unserer Branche. Demnach entfallen zum Jahresende 2009 von der gesamten Erzeugungskapazität 38 Prozent auf Erdöl/Erdgas, 34 % auf Kohle, 15 Prozent auf Kernenergie, 7 Prozent auf Wasserkraft und 6 Prozent auf Windenergie sowie weitere Erneuerbare Energien. […] und bauen die weltweit klimafreundlichsten Gas- und Kohlekraftwerke. Darüber hinaus bereiten wir uns darauf vor, die Laufzeit unserer Kernkraftwerke in Deutschland zu verlängern und sind an Projekten zum Bau neuer Kernkraftwerken in mehreren europäischen Ländern beteiligt.", führt E.On seinen Standpunkt aus.
Somit kommen 2009 lediglich 13 % der Stromerzeugung aus dem Bereich erneuerbare Energie. Dieser Anteil wird vermutlich, was die Angabe der Investitionen betrifft, deutlich sinken. Geplant ist jedoch die Anhebung auf rund ein Drittel der gesamten Energieerzeugung (Seite 15). Wie dies zusammengeht, bleibt die spannende Frage.
Nicht zu verwechseln mit der von E.On geplanten Reduktion der CO2 Werte pro kW. Es stehen neben dem Ausbau der erneuerbaren Energie auch der Bau neuer Kernkraftwerke und die Investition von Milliarden in Kohle- und Gaskraftwerke am Plan, so der E.On Geschäftsbericht. D.h es erfolgt die CO2 Reduktion nicht nur aus dem Ausbau regenerativen Energiequellen, sonder auch durch den Bau von mehr Kernenergie.
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Sonntag, 12. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!



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