Es ist ein Desaster anderer Art und man muss die Grundsatzfrage stellen, ob Ölkonzerne überhaupt in Ethik- und Umweltfonds geführt werden dürfen. Es stellt sich die Frage, ob BP schon vor der Ölkatastrophe als nachhaltig orientiert eingestuft werden konnte. Hier gehen die Einschätzungen weit auseinander und zeigen deutlich, ja man hätte.
Als Kronzeuge für die Branche kann man das Wiener Bankhaus Schelhammer & Schattera aufrufen: BP ist seit mehr als zehn Jahren aus dem Anlageuniversum der Bankhaus Schelhammer & Schattera Kapitalanlagegesellschaft ausgeschlossen. Dies zeigt augenfällig, es wäre anders gegangen. Dazu Mag. Gerhard Tometschek, Geschäftsführer Bankhaus Schelhammer & Schattera KAG: „Auf Grund unserer im Marktvergleich besonders strengen Nachhaltigkeitskriterien befinden sich in keinem unserer SUPERIOR-Fonds Wertpapiere des britischen Ölkonzerns BP. Im Branchen Kontext ist BP zwar ein vergleichsweise engagiertes und transparentes Unternehmen mit ausgeprägten Stärken in den Bereichen Investitionen in erneuerbare Energieträger, Berichterstattung, Klimaschutzstrategie und Tankersicherheit. BP weist jedoch schon seit Jahren große Versäumnisse bzw. Schwachstellen in den Bereichen Anlagensicherheit und Arbeitschutz auf, die zu Umwelt- und Arbeitsrechtsverstößen geführt haben.“
Ganz anders die LIGA-Pax-Cattolico-Union, die große Positionen an BP hielt und sich der katholischen Soziallehre verpflichtet sieht. Da kann man nur sagen: Schöpfungsverantwortung sieht anders aus. Bei Dexia Sustainable Europe zählen BP und Shell zu den sehr großen Positionen und man scheint keine Anstalten zu machen, diese aus dem so genannten Anlageruniversum auszulisten. Man möchte mal schauen und überprüfen.
Oder man kann den MEAG Nachhaltigkeitsfonds der Munich RE und ERGO anführen: Hier zählen BP und Total aber auch Nestlé zu den größten Positionen (> bit.ly/bD5Gk5 ). Was das mit Nachhaltigkeit noch zu schaffen hat, bleibt ein Rätsel.
Andere ziehen wiederum spät aber doch die Reißleine wie der Dow Jones Sustainability Index, der BP ausgelistet hat mit Ende Mai. Aber auch die größte Privatbank der Welt, Pictet in der Schweiz, hat einige Nachhaltigkeitsfonds im Portfolio und in einem findet sich BP: Diese Position wurde ebenfalls mit Ende Mai aufgelöst.
Und auch der auf Nachhaltigkeit spezialisierte Vermögensverwalter SAM baute seine Positionen in BP weitgehend ab. Der nach Eigenangaben "Schweizer Spezialist für nachhaltiges Investment", die Swisscanto, führt BP neben Shell, Exxon und Chevron in ihren Fonds "Swisscanto (LU) Equity Fund Selection Energy B" (> bit.ly/del9ey ) und so ließe sich die Liste fortsetzen.
Das grundsätzliche Problem ist, dass fast alle Fonds nach dem "best in class"-Prinzip auswählen und objektive Kriterien der Nachhaltigkeit kaum Eingang finden. So wird halt aus einer Räuberbande der kleinste Dieb zum ethisch Klassenbesten, könnte man überspitz formulieren, doch Dieb bleibt Dieb.
Aber nicht nur hier liegt das Problem, es sind auch die Akteure, sprich Fondsmanager und ihre Mitarbeiter: Man hat oft den gefühlten Eindruck, dass es sich um gewendete Trittbrettfahrer handelt, die nicht wirklich für die Nachhaltigkeit "brennen": Ein Marktvolumen (2008) von rund 2,7 Billionen Euro in Sachen nachhaltige Fonds motiviert, aber aus falschen Gründen.
Fazit: die nachhaltige Finanzbranche muss sich dringend strukturell, inhaltlich wie personell rasch neu aufstellen und grundsätzlicher, nachhaltiger werden.
Anzeige
Samstag, 11. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!



WIRTSCHAFT
|
|
| << Zurück |
Kommentar
NUR für registrierte UserInnen - Jetzt kostenfrei registrieren
Es wurden noch keine Kommentare abgegeben.







