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Neutrale Wissenschaft und „Klimatgate“


Berlin (14.12.09): Spätestens seit dem Russell-Einstein Manifest (1955) gegen Atomwaffen weiss man, dass die Wissenschaft nicht neutral ist, nicht sein kann und auch nicht darf. Denn jeder Wissenschafter ist in erster Linie Mensch und Bürger und dann erst Wissenschafter und trägt eine soziale Verantwortung. Von Christian Neugebauer
„Wir sprechen hier nicht als Angehörige dieser oder jener Nation, dieses oder jenes Erdteils oder dieses oder jenes Glaubensbekenntnisses, sondern als menschliche Wesen, als Angehörige der Spezies Mensch, deren weitere Existenz zweifelhaft geworden ist.“ (Russell-Einstein Manifest)

Die globale Bedrohung durch den Klimawandel ist vergleichbar mit jener durch Atomwaffen: beide bedrohen den grundsätzlichen Bestand der Menschheit als Spezies und setzen eine Einigung und Verständigung über nationale, weltanschauliche, religiöse und kulturelle aber und vor allem wirtschaftliche Grenzen hinweg voraus.

Vieles, was Russell und Einstein dereinst mit ihrem Manifest unterschrieben haben ist umlegbar auf die heutige Lage und hilfreich, sich in Erinnerung zu rufen als Argumentationsgrundlage gegen jene durchsichtige Manöver, die aus ein paar aus dem Zusammenhang zitierten Mails jetzt die große Verschwörung meinen gefunden zu haben.

Wenn es denn nur eine Verschwörung gewesen wäre, kann man nur sagen. Denn ja, Wissenschaft ist in keiner Weise gesellschaftspolitisch neutral und darf es auch nicht sein. So zu tun als wäre man neutral und ideologiefrei, ist die eigentliche Ideologie und Parteilichkeit.

Wenn auch nicht jeder Satz 1:1 des Russell-Einstein Manifest umlegbar ist auf die aktuelle Debatte rund um „Klimatgate“ – und schon der angestrengte Vergleich mit „Watergate“ ist polemisch und unhaltbar -, so gibt das Manifest nützliche Hinweise und Planken ab, an welche sich Wissenschaft orientieren möge. Es waren wohl die besten Köpfe der jüngeren Geschichte der Menschheit, die gesellschaftspolitisches Engagement der Wissenschaft einforderten und vorgaben. Und sie waren auch mutiger, woran sich heute Wissenschafter Maß und Vorbild nehmen sollen. Aber und vor allem sei es jenen in das Stammbuch geschrieben, die da jetzt von Verschwörung murmeln:

„Vor uns liegt, wenn wir richtig wählen, eine beständige Ausweitung von Glück, Wissen und Weisheit. Sollen wir stattdessen den Tod wählen, bloß weil wir unsere Streitereien nicht vergessen können? Wir wenden uns als Menschen an unsere Mitmenschen: Erinnert Euch Eures Menschseins und. vergesst alles andere! Wenn Ihr das vermögt, dann öffnet sich der Weg zu einem neuen Paradies. Könnt Ihr es nicht, dann droht Euch allen der Tod.“ (Russell-Einstein Manifest)


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