Frage: Der Austrian Sustainability Reporting Award wird dieses Jahr zum zehnten Mal vergeben. Wie hat sich die Berichterstattung über nachhaltiges Wirtschaften in den letzten zehn Jahren entwickelt?
Jasch: Die ergänzende Berichterstattung zum Geschäftsbericht hat ihre Wurzeln im betrieblichen Umweltschutz und den Umweltmanagementsystemen nach der europäischen EMAS Verordnung und der ISO 14001. Zunehmend haben die Unternehmen Gesundheits- und Sicherheits- Managementsysteme aufgebaut und dann dieses Instrument des Plan-Do-Check-Act-Approaches mit dahinterliegenden Kennzahlensystemen zu nicht-monetären Leistungsindikatoren auch auf andere Nachhaltigkeitsthemenfelder erweitert.
Frage: Wie war das damals zu Beginn? Konnte man sich unter dem Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung auf Seiten der Firmen schon etwas vorstellen?
Jasch: Zu Beginn hat auch der ASRA noch Austrian Environmental Reporting Award geheißen. Der ASRA hat sich genau wie die Unternehmen, die Berater und Zertifizierer vom reinen Umweltfokus zum gesamtheitlichen Nachhaltigkeitsansatz gewandelt. Heute wird primär darauf geschaut, welche Themen aus der Sicht der Anspruchsgruppen wesentlich sind und inwieweit ein Unternehmen die gesamtwirtschaftlichen Herausforderungen, z.B. durch den Klimawandel oder die demographische Veränderung, annimmt und sich daran orientiert.
Frage: Ist die Sensibilität für dieses Thema dank des ASRA gewachsen?
In Österreich hat der ASRA sicher dazu beigetragen, eine Nachhaltigkeitsberichterstattung auf internationalem Niveau zu verbreiten und gute Berichte vor den Vorhang zu holen. International hat die Leitlinie der Global Reporting Initiative den Standard für die Beurteilung und Vergleichbarkeit der Kennzahlen gesetzt.
Frage: Sind sie mit der Entwicklung zufrieden?
Jasch: Einerseits freue ich mich, dass wir immer mehr gute Berichte haben und sich die Anforderungen an einen Nachhaltigkeitsbericht durch die GRI Leitlinie konkretisiert haben. Andererseits würde ich mir wünschen, dass Österreich ebenso wie einige andere Länder zumindest für börsennotierte Unternehmen und Unternehmen im Eigentum der öffentlichen Hand die Berichterstattung nach GRI verpflichtend machen würden. Europaweit fehlt, wie bei den Umweltgutachtern nach der EMAS Verordnung oder für die Emissionszertifikate festlegt, eine klare Regelung, wer nach welchen Anforderungen einen Nachhaltigkeitsbericht begutachten darf. Da haben wir immer noch einen ziemlichen Wildwuchs und kein geregeltes Zulassungsverfahren.
Frage: Wie sehen Sie die österreichische Entwicklung im Vergleich zu anderen europäischen Ländern?
Jasch: Die Initiative zu den European Sustainability Reporting Awards wurde von rund 12 Jahren von den Kammern der Wirtschaftstreuhänder gestartet, um vergleichbare Berichte auf gutem Niveau zu fördern. Die europäische Initiative listet unter www.sustainabilityreporting.eu jährlich die national ausgezeichneten Berichte, aktuelle Trends und Publikationen. Wir haben in Österreich im Vergleich außergewöhnlich viele und ausgezeichnete Berichte, die nicht von börsennotierten Unternehmen stammen. Wir haben dafür 2 eigene Kategorien geschaffen, Klein- und Mittelbetriebe und die sogenannten „Sonstigen“, nicht Profit orientierte Organisationen wie Universitäten, Fachverbände, gemeinnützige Vereine, kirchliche Organisationen.
Frage: Warum ist ein Preis wie der ASRA so wichtig? Was kann er bewirken?
Jasch: Der ASRA ist für viele Unternehmen ein großer Ansporn. Wir haben jährlich rund 30 Einreichungen, da einige, v.a. kleinerer Organisationen, einen 2- oder 3-Jahres Rhythmus bei ihrer Berichterstattung gewählt haben. Die 10-12, die wir jedes Jahr auszeichnen, haben damit einerseits eine große Anerkennung für ihre Leistung, die stark motivierend wirkt, aber natürlich auch gutes mediales Echo. Insgesamt hat der ASRA sicherlich zur Verbreitung der Nachhaltigkeitsberichterstattung auf internationalem Niveau in Österreich beigetragen. Der Umwelt- und Nachhaltigkeitsausschuß der Kammer hat dadurch einerseits den Themenkreis im Berufsstand bekannt gemacht und andererseits in der Folge Kompetenz in der öffentlichen Wahrnehmung gewonnen.
Frage: Welche Berichte sind Ihnen aus den letzten 10 Jahren besonders im Gedächtnis geblieben? Gab es besonders ausgefallene oder eindrucksvolle Projekte?
Jasch: Am meisten in Erinnerung bleiben eigentlich die Berichte engagierter kleiner Organisationen mit charismatischen Gründerpersönlichkeiten, von denen man diesen Aufwand nicht erwarten würden, also Berichte von Fleischhauern, Rauchfangkehrern, Gemeindezusammenschlüssen. Das ist vielleicht ein bisschen unfair den Großen gegenüber, die teilweise einen sehr professionellen Aufwand betreiben.
Frage: 10 Jahre ASRA werden sicher auch gefeiert werden. Ist für die Veranstaltung am 18. November 2009 in der Kontrollbank schon etwas Besonderes geplant?
Jasch: Ja, selbstverständlich. Wir haben zwei sehr interessante internationale Vortragende gewinnen können, John Elkington vom Beratungsunternehmen Sustainability in den UK und Lars-Olle Larsson von PricewaterhouseCoopers in Schweden, die beide über internationale Entwicklungen bei der Berichterstattung und Begutachtung sprechen werden. Weiters haben wir eine neue Kategorie für den ASRA ausgewertet, die LongTermWinners, also jene Organisationen, die in den letzten 10 Jahren immer wieder ganz vorne waren. Und mit denen haben wir auch ein kurzes Video gedreht. Und natürlich planen wir ein rauschendes Fest, bei dem des Netzwerken nicht zu kurz kommt.
(Medienkooperation; Erstabdruck Interview in Österreich Revue).
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Sonntag, 12. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!



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