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KULTUR

 

"Europeana"-Bestand bereits verdoppelt: 4,6 Mio. Datensätze


Brüssel (31.8.09): Europas mehrsprachige digitale Bibliothek "Europeana" hat ihren Bestand seit 11/08 bereits verdoppelt. Die neue Hürde besteht in der Harmonisierung des Urheberrechtes in der EU
4,6 Millionen digitalisierte Bücher, Karten, Fotografien, Filmclips und Zeitungen können derzeit bereits online abgerufen werden. Die Zahl steigt täglich. Seit ihrer Einrichtung im November 2008 haben sich die Bestände mehr als verdoppelt. Zu den neu hinzugekommenen Objekten gehören unter anderem eine Sammlung von 70 Inkunablen (mit den ältesten Drucktechniken hergestellte Bücher) aus der Bibliothek von Katalonien, eine Ausgabe der „Lusiaden“ – dem Nationalgedicht Portugals – von Luís de Camoẽs aus dem Jahr 1572 sowie Filmmaterial über die Friedrichstraße in Berlin von 1913, bereitgestellt von der Association des Cinémathèques Européennes.

Die Europäische Kommission hat in einem Strategiepapier erklärt, dass sie bis 2010 eine Erhöhung der Zahl der digitalisierten Objekte auf 10 Millionen anstrebt. Außerdem hat sie eine öffentliche Debatte über die künftigen Herausforderungen angestoßen, die sich im Zusammenhang mit der Digitalisierung von Büchern in Europa stellen, insbesondere die Möglichkeiten einer Partnerschaft zwischen öffentlichem und privatem Sektor sowie die Notwendigkeit einer Reform des allzu uneinheitlichen Urheberrechtsrahmens in Europa.

„Die Digitalisierung von Büchern ist zwar eine Herkulesarbeit, eröffnet jedoch Millionen von Bürgerinnen und Bürgern in Europa und über die Grenzen Europas hinaus den Zugang zu kulturellen Inhalten. Deshalb begrüße ich die ersten Bemühungen der Mitgliedstaaten und ihrer Kultureinrichtungen, die Regale von Europas digitaler Bibliothek zu füllen“ , so Viviane Reding, EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien. „Beunruhigend finde ich allerdings, dass nur 5 % aller digitalisierten Bücher in der EU in Europeana verfügbar sind. Daneben ist festzustellen, dass fast die Hälfte der in Europeana eingestellten digitalisierten Werke aus einem einzigen Mitgliedstaat stammt, während alle anderen Mitgliedstaaten nach wie vor weit hinter den Erwartungen zurückbleiben. Dies zeigt nach meiner Auffassung vor allem eines: Die Mitgliedstaaten müssen aufhören, andere Kontinente um ihre Fortschritte zu beneiden, und endlich selbst ihre Hausaufgaben machen. Deutlich wird auch, dass Europeana allein nicht ausreicht, um Europa seinen Platz auf der digitalen Weltkarte zu sichern. Wir müssen enger zusammenarbeiten und den europäischen Urheberrechtsrahmen für das digitale Zeitalter fit machen.“

Die beträchtlichen Fortschritte im Aufbau von Europeana führen aber auch vor Augen, welche Herausforderungen und Probleme mit dem Digitalisierungsprozess verbunden sind. Derzeit umfassen die Bestände hauptsächlich digitalisierte Bücher, die gemeinfrei sind, also nicht mehr unter das Urheberrecht fallen (der urheberrechtliche Schutz gilt bis 70 Jahre nach dem Tod des Autors).

Aus rechtlichen Gründen enthält Europeana momentan weder vergriffene Werke (etwa 90 % der Bücher in Europas Nationalbibliotheken) noch verwaiste Werke (schätzungsweise 10 bis 20 % der urheberrechtlich geschützten Bestände), für die noch ein urheberrechtlicher Schutz besteht, wenngleich der Autor nicht bekannt ist.

Das Europeana-Projekt macht deutlich, dass die Lizenzvergabe für urheberrechtlich geschütztes Material in Europa nach wie vor in einem stark fragmentierten rechtlichen Rahmen erfolgt. So musste in diesem Jahr eine französische Sammelstelle Fotografien aus dem Bestand von Europeana entfernen, da sie lediglich berechtigt war, das Material in Frankreich zu verbreiten.

Öffentliche Konsultation eingerichtet

Zur Erörterung all dieser Fragen hat die Kommission heute eine öffentliche Konsultation über die Zukunft von Europeana und die Digitalisierung von Büchern eingeleitet. Die Konsultation wird bis zum 15. November 2009 laufen. Unter anderem stellt die Kommission folgende Fragen: Wie ist zu gewährleisten, dass digitalisiertes Material den Nutzern EU-weit verfügbar gemacht werden kann? Sollte die Zusammenarbeit mit den Verlegern in Bezug auf urheberrechtlich geschütztes Material verbessert werden? Wäre es eine gute Idee, europäische Register für verwaiste und vergriffene Werke einzurichten? Wie sollte langfristig die Finanzierung von Europeana aussehen?

Europeana – die digitale Bibliothek Europas: www.europeana.eu

Initiative der Europäischen Union zu digitalen Bibliotheken:
ec.europa.eu/information_society/activities/digital_libraries/index_de.htm

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