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WIRTSCHAFT

Mikrokredit, Oikocredit und Yunus


Köln (6.11.09): „A world without poverty“ – mit dieser Vision im Gepäck ist der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus in dieser Woche in Wiesbaden und Berlin zu Gast. Eine Vision, die auch die ökumenische Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit teilt. Oikocredit arbeitet bereits seit über 30 Jahren mit Muhammad Yunus zusammen und fördert weltweit Mikrofinanzierung.
Vor über 30 Jahren begann Yunus seinen Weg zur Gründung der Grameen Bank mit einem Kredit aus eigener Tasche. Er gab 42 hoffnungslos armen Menschen in einem Dorf in Bangladesch das, was keiner vor ihm getan hatte, nämlich einen Kredit von insgesamt 27 US-Dollar, also weniger als 1 Dollar pro Person, zu fairen Bedingungen. Unter ihnen war eine Frau, die wunderschöne Bambushocker herstellte und damit doch nur 2 Pennies pro Tag verdiente. Sie musste ihre schönen Bambushocker nämlich dem Geldverleiher zu einem äußerst niedrigen Preis überlassen. Ihr fehlten nur 25 Cent um selbst Bambus für einen Hocker zu kaufen. Diese 25 Cent bekam sie von Prof. Yunus. Mit diesem Kredit kaufte die Frau Bambus und konnte ihren Hocker an die Meistbietenden verkaufen. Ihr Gewinn schnellte in die Höhe, von zwei Pennies auf 1,25 US-Dollar täglich. Eine Erfolgsgeschichte, die sich seitdem viele Tausend Mal wiederholt hat.

Mit dieser einfachen, aber sehr wirkungsvollen Idee hat Muhammad Yunus sämtliche Regeln des Bankgewerbes gebrochen und bewiesen, dass Mikrokredite ein erfolgreiches Mittel sind, um armen Menschen zu helfen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und der Armutsfalle aus eigener Kraft zu entkommen. Die Idee, armen Menschen Darlehen zu gewähren, hat sich damit trotz aller Skepsis der etablierten Banken als Erfolgsmodell erwiesen.

Eine Tatsache, bei der sich Muhammad Yunus und die ökumenische Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit mehr als einig sind. „Oikocredit unterstützt in vielen Ländern Mikrofinanzinstitutionen, die nach dem gleichen Prinzip arbeiten wie die Grameen Bank“, erläutert Brigitta Herrmann, Geschäftsführerin von Oikocredit in Deutschland. Und es gibt seit den Anfängen eine enge Kooperation.

So sei die Grameen Foundation unter anderem seit 1998 Mitglied der International Share Foundation von Oikocredit, und unterstütze so auch die Aktivitäten der Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit, die einer der größten privaten Finanziers von Mikrofinanzinstitutionen ist. „Armut hat keinen Platz in der zivilisierten Gesellschaft. Armut gehört ins Museum", das findet nicht nur Muhammad Yunus, sondern auch Oikocredit. Und deshalb arbeiten sie auch zukünftig daran, den Ärmsten der Armen eine faire Chance zu geben. „Und in der Finanzkrise hat sich gezeigt, dass das Vertrauen in die Rückzahlungsfähigkeit der Armen sicherer ist als das Vertrauen in die etablierten Banken“, betont Brigitta Herrmann. Yunus sieht in der Krise daher die Chance für eine Rückbesinnung und Veränderung der Strukturen zum Wohl aller Menschen.

Über Oikocredit

Oikocredit wurde 1975 gegründet, um ein alternatives Investitionsinstrument zu schaffen, das den Interessen der Armen dient. Heute gehören der ökumenischen Entwicklungsgenossenschaft rund 600 institutionelle Förderer und 30.000 Einzelanleger an. 32 Büros betreuen weltweit rund 770 Projektpartner. Die Mindesteinlage beträgt 200 Euro und wird mit zwei Prozent verzinst. Derzeit hat Oikocredit fast 800 faire Kredite über insgesamt 372 Millionen Euro vergeben. Die Projektpartner von Oikocredit erreichen 16,8 Millionen Menschen in rund 70 Ländern der Erde.


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