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WIRTSCHAFT

Nachhaltiger Anlagemarkt platz vor Kraft: + 67 %


Berlin (7.9.10): Nach dem vierten Marktbericht des Forum Nachhaltige Geldanlage e.V. (FNG) strotzt der nachhaltige Anlagemarkt im deutschsprachigen Raum nur so von Kraft: 38 Milliarden Euro. Aber es gibt auch Hausaufgaben.
Der nachhaltige Anlagemarkt befindet sich auf explodierenden Wachstumskurs im deutschsprachigen Raum, der ein Plus von 67 Prozent verzeichnen kann.

Der nachhaltige Anlagemarkt im deutschsprachigen Raum ist damit deutlich gestärkt aus der Finanzkrise hervorgegangen. Im Vergleich zum Vorjahr legten nachhaltige Investments 2009 auf rund 38 Milliarden Euro zu.

Das geht aus dem „Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2010 – Deutschland, Österreich und die Schweiz“ hervor, den das Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V. (FNG) der Tage in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Demnach konnten die Märkte im Untersuchungsjahr in allen drei Ländern historische Volumenhochs erreichen.

"Die Branche befindet sich in bester Verfassung", zeigte sich der FNG-Vorstandsvorsitzende Volker Weber angesichts der neuen Zahlen erfreut. Und Weber führt weiter aus: "Dieses kraftvolle Wachstum ist eine gute Nachricht für alle, denen an einer nachhaltig ausgerichteten Wirtschaft, am Erhalt unserer Lebensgrundlagen und einer guten Lebensqualität für diese und die nachfolgenden Generationen gelegen ist."

Verbesserung der Rahmenbedingungen notwendig

Zugleich verwies Weber auf die Notwendigkeit, die Rahmenbedingungen für diesen Markt weiter zu verbessern. Nur so lasse sich gewährleisten, dass die Gesellschaft noch stärker als bisher von den positiven sozialen und ökologischen Lenkungseffekten der nachhaltigen Geldanlagen profitieren kann, schlussfolgert FNG.

Über die Verbesserungen der Rahmenbedingungen sei hier auf zwei Initiativen hingewiesen, die in jüngster Zeit starteten: Die "Initiative Nachhaltigkeit ins Grundgesetz" (Web > nachhaltigkeit-ins-grundgesetz.de ) und der Verein "Sustainable Finance", der als eines seiner konkreten Ziele die Einrichtung eines Finanzplatz der Nachhaltigkeit in Berlin vorantreiben möchte. Mit anderen Worten, es braucht ein "Desertec für die Finanzbranche" im Zeichen der Nachhaltigkeit.

Länder im Vergleich

Im Jahr 2009 hatte laut Studie allein der nachhaltige Anlagemarkt in Deutschland mit einem Gesamtvolumen in Höhe von 13 Milliarden Euro ein Plus von 68 Prozent zu verzeichnen. In Österreich hat das Volumen der nachhaltigen Investments seit 2008 um 165 Prozent zugelegt und summiert sich auf etwa zwei Milliarden Euro. Und die Schweiz wartet mit einem Plus von 63 Prozent auf und behauptet mit einem nachhaltigen Gesamtvolumen von 23 Milliarden Euro ihre traditionell starke Position.

Auf eine interessante Entwicklung bei den Investoren machte die FNG-Geschäftsführerin Claudia Tober aufmerksam. „Wir beobachten in Deutschland und der Schweiz, dass private Investoren in nachhaltige Geldanlagen gegenüber den institutionellen Investoren Marktanteile hinzugewinnen“. Entgegen diesem Trend nähmen jedoch in Österreich die institutionellen Investoren nach wie vor eine sehr exponierte Position ein, führt die Volkswirtin aus. Laut Marktbericht liegt deren Anteil hier bei 84 Prozent.

Die Verhältnisse

Für Deutschland ergibt sich so ein Anteil der nachhaltigen Investments am Gesamtmarkt von knapp 0,8 Prozent. In Österreich beläuft sich die entsprechende Quote auf 1,5 Prozent. Die Schweiz verzeichnet einen Anteil nachhaltiger Fonds am Gesamtvolumen der dortigen Fonds von 3,8 Prozent.

Kriterien & Co

So zeigt der Bericht für Deutschland, dass nach der Verwendung von wertbasierten Ausschlusskriterien wie Rüstung oder ausbeuterische Kinderarbeit die Einzelstrategie „Best-In-Class“ am häufigsten Verwendung findet. Hierbei handelt es sich um einen Ansatz, bei dem diejenigen Unternehmen ausgewählt werden, die im Branchenvergleich in ökologischer, sozialer und ethischer Hinsicht die höchsten Standards setzen.

In Österreich ist der Einzel-Ansatz am weitesten verbreitet, nachdem Ausschlüsse auf der Grundlage von Normen vorgenommen werden, wie sie beispielsweise die UNICEF oder die ILO bereithalten. Nachhaltige Themenfonds, die auf einen bestimmten Sektor wie Wasser oder Energie fokussieren, gibt es in der Schweiz vergleichsweise häufig. Die wichtigste Anlagestrategie in der Eidgenossenschaft ist Best-In-Class.

Bei aller Euphorie muss man aber kritisch sagen, dass derartige Wachstumsraten nicht die Norm darstellen dürfen, denn zweistellige Wachstumszahlen sind einfach nicht nachhaltig. Aktuell kann man von einer Art nachholenden Entwicklung sprechen, die höhere Wachstumsraten nach sich zieht, aber man soll sich in der Tonalität und Zielformulierung nicht alleine darauf fokussieren.

Weiters muss man feststellen, dass sich auch der nachhaltige Finanzbereich zunehmend entkoppelt und mit den zahlreichen Klein- und Mittelbetrieben der Nachhaltigkeit, die händeringend nach Kapital suchen, sowie mit der Nachhaltigkeitsbewegung wenig am Hut hat. Dies drückt sich beispielsweise auch darin aus, dass der nachhaltige Finanzmarkt kaum als Sponsor oder Unterstützter von nachhaltigen Initiativen, Medien, Plattformen, Vereine oder Projekten auftritt, wiewohl der nachhaltige Finanzmarkt einer der Hauptnutznieser von der positiven Grundstimmung und Basisarbeit ist, die jene Basisbewegungen schaffen.

Und blickt man in die so genannten Portfolios genauer hinein, die von sich behaupten, sie seien nachhaltig, kommen rasch berechtigte Zweifel auf wie auf Glocalist berichtet (Bericht > bit.ly/c4qvuz ).

Doch diese Hausaufgaben scheinen lösbar und damit steht einem weiteren Wachstum mit realer Grundlage nichts mehr im Wege.

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