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WIRTSCHAFT

Nachhaltigkeit setzt sich in Wirtschaft durch


München (18.3.10): In der aktuell vorliegenden Corporate Responsibility Review stellt die oekom research fest, dass Nachhaltigkeit stabil durch die Krise steuert und auch der nachhaltige Geldmarkt entwickelt sich positiv.
Summarisch hält die oekom research fest: "Die Finanz- und Wirtschaftskrise hinterlässt, von wenigen Einzelfällen abgesehen, keine Einschnitte im Corporate Responsibility (CR)-Management von Unternehmen." Vielmehr macht die oekom research einen gegenteiligen Trend aus: Nachhaltigkeit wird in den Unternehmen verstärkt als Beitrag zur Stabilisierung und Sicherung der Zukunftsfähigkeit angesehen.

In vielen Branchen findet sich eine Spitzengruppe von Unternehmen, die sich einen Wettbewerb um die besten Leistungen zur Nachhaltigkeit liefert. Insgesamt haben derzeit 504 der über 3.000 analysierten Unternehmen den oekom Prime-Status und erfüllen damit die von oekom research definierten branchenspezifischen ökologischen und sozialen Mindeststandards. Unter den DAX 30 Unternehmen führen Henkel mit einer Bewertung von 64,7 von 100 möglichen Punkten, die Deutsche Telekom (63,3) und die Allianz (62,2). Im EuroStoxx 50 belegen mit sanofi-aventis (68,2) und Renault (67,6) zwei französische Konzerne die Spitzenplätze. „Diese Unternehmen sind auf einem guten Weg zu einem umfassenden CR-Management, trotz einiger Defizite“, bewertet Matthias Bönning, Head of Research bei oekom research, die Ergebnisse.

Aufholbedarf für Banken und Versicherungen

Einige Branchen hinken jedoch ziemlich hinterher und haben einen starken Aufholbedarf: Hier erreichen die Hersteller von Haushaltsprodukten mit 50,1 von 100 möglichen Punkten die höchste Bewertung, die Automobilbranche kommt im Durchschnitt auf eine Bewertung von 48,4, die Energieversorger liegen bei 46,7. Abgeschlagen rangieren die Versicherungen (32,1), die öffentlichen Banken (25,4) und die Immobilienunternehmen (25,2).

Problem Glaubwürdigkeit und "Green Washing"

Manchen CR-Vorhaben mangelt es an Glaubwürdigkeit, behauptet die oekom research. "Vereinzelt erkennt man in den Aussagen der Unternehmen den Wunsch, nach den vielen negativen Meldungen im Zuge der Wirtschaftskrise endlich mal wieder positive Nachrichten zu produzieren", so Bönning. "Damit die Unternehmen nicht in den Verdacht des green washings kommen, müssen sie den Ankündigungen bald Taten folgen lassen. Die Zahlen zeigen, dass selbst in den besten Branchen noch deutliche Verbesserungen im CR-Management notwendig sind."

In einigen Branchen stellten auch 2009 Arbeits- und Menschenrechtsverstöße ein ernsthaftes Problem dar. Mehr als jedes zweite Unternehmen der Computerbranche (57,1 Prozent) und jedes zweite Textilunternehmen (50,0 Prozent) verstoßen vor allem in ihrer Zulieferkette gegen international anerkannte Mindeststandards im Arbeitsrecht. In Menschenrechtsverletzungen sind vor allem Bergbauunternehmen (34,5 Prozent) sowie Öl- und Gasproduzenten (18,2 Prozent) involviert.

Nach einer Analyse von oekom research verstoßen von den 45 Unternehmen aus dem Stoxx 50, die den UN Global Compact unterzeichnet haben, insgesamt 26 und damit mehr als die Hälfte gegen Prinzipien dieser großen freiwilligen Wirtschaftsinitiative.

Trend Richtung Nachhaltigkeit

Für 2010 weist die Kompassnadel nach Einschätzung von oekom research weiter in Richtung Nachhaltigkeit, wenn auch die Nadel zittert, um im Bild zu bleiben. Unternehmen, die nach diesem Ansatz wirtschaften, kommen besser durch die Krise und sind auch langfristig erfolgreicher, resümiert die oekom research. Deshalb interessieren sich immer mehr Anleger dafür, was auch durch den boomenden Markt nachhaltiger Geldanlagen unterstrichen wird und dieser historische Höchststände erreicht, wie auch schon mehrfach auf Glocalist Daily News berichtet. So weisen beispielsweise alle nachhaltig orientierte Banken ein Wachstum von mindestens 30% auf für das Jahr 2009, was angesichts der Krise schon erstaunlich ist und in politischen Entscheiderkreisen gerne übersehen wird.

In Europa sind aktuell fast 700 nachhaltig orientierte Publikumsfonds mit einem Gesamtvolumen von rund 54 Milliarden Euro zugelassen. Weltweit werden rund 5 Billionen Euro Kapitalanlagen unter Ansehung nachhaltiger Kriterien verwaltet, wobei man hier eine zunehmende Intransparanz feststellen muss.

Kurz, ein Trend zu Nachhaltigkeit, aber es sind noch viele Hausaufgaben zu lösen.


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