Immer höhere Risiken geht die internationale Öl- und Gasbranche ein, um die letzten fossilen Rohstoffreserven der Erde zu fördern – auf Kosten von Mensch und Umwelt. Dies ist das Fazit der aktuellen Branchenstudie der oekom research AG.
Die Rating-Agentur hat 27 der weltweit größten, börsennotierten Öl- und Gaskonzerne danach untersucht, wie sie sich ihrer sozialen und ökologischen Verantwortung und den damit verbundenen Herausforderungen stellen.
Die beste Beurteilung auf einer Skala von A+ (Bestnote) bis D erreichte mit der Gesamtnote B der österreichische integrierte Öl- und Gaskonzern OMV. Hier sind wohl noch nicht die aktuellen Berichte aus dem Süd-Sudan berücksichtigt, wo Menschenrechtsorganisationen der OMV Verwicklung in Menschenrechtsverletzungen vorwerfen.
Auf den Plätzen 2 und 3 folgen Snam Rete Gas aus Italien und Total aus Frankreich, die beide ebenfalls die Note B erzielten. Der britische BP-Konzern, seit 20.April wegen des folgenschweren Unfalls der Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko in den Schlagzeilen, ist nicht unter den Branchenbesten und hat im oekom Corporate Rating in der Vergangenheit noch nie den ‚Prime’-Status erreicht.
Dass große Anstrengungen notwendig sind, um den Klimawandel zu stoppen, haben die meisten Konzerne inzwischen verstanden, fasst die Studie zusammen. Verbindliche Ziele zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen lassen sie bisher allerdings ebenso vermissen wie konkrete Ansätze zur Erschließung neuer Geschäftsfelder in Richtung erneuerbarer Energien. Selbst die in diesem Bereich engagierteren Unternehmen investieren hier lediglich verschwindend geringe Anteile ihrer Umsätze.
"Die Bereitschaft der Unternehmen, Risiken einzugehen, um die verbleibenden Rohstoffvorkommen auszubeuten, steigt angesichts schwindender Reserven und gleichbleibend hoher bis steigender Nachfrage", sagt Kristina Rüter, Research Director bei oekom research.
Zunehmend mehr Öl- und Gasbohrungen finden nicht mehr an Land, sondern in Ozeanen statt, und sie gehen immer tiefer: Wassertiefen von 1.000 Metern sind keine Seltenheit. Bei der Deepwater Horizon kamen zu mehr als 1.500 Metern Wassertiefe noch 5.600 Meter Gesteinsschichten unter dem Meeresboden hinzu. "Wenn die Branche keine Kurskorrektur vornimmt, sind weitere Katastrophen absehbar“, warnt Rüter. Inzwischen stammt rund die Hälfte der fossilen Bodenschätze aus unter dem Meeresgrund liegenden Quellen.
Aktuell sind ca. 3.000 Bohrinseln in Betrieb, der Großteil davon im Atlantischen Ozean. "Insgesamt agieren jedoch alle von uns analysierten Unternehmen viel zu zögerlich in Sachen Nachhaltigkeit. Im Wettlauf um die letzten fossilen Ressourcen gehen sie zunehmend höhere, unverantwortliche Risiken ein", fasst Rüter zusammen. Der wichtigste Schritt zu mehr Nachhaltigkeit ist deshalb die Abkehr von fossilen Rohstoffen und die aktive Mitgestaltung eines Übergangs zu erneuerbaren Energien.
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Samstag, 11. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!



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