Die Folgekosten unzureichender Bildung durch entgangenes Wirtschaftswachstum summieren sich innerhalb der kommenden achtzig Jahre - der Lebensspanne heute geborener Kinder - auf rund 2,8 Billionen Euro. Das ist das Ergebnis einer Studie des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.
Die für diesen Bereich neuartige Untersuchung des Bildungsökonomen Professor Dr. Ludger Wößmann berechnet dabei die abgezinsten Erträge einer Bildungsreform, welche die Zahl der so genannten "Risikoschüler" deutlich reduziert. Auf diese Weise können erstmals langfristige volkswirtschaftliche Effekte von Bildung beziffert werden.
Zu den unzureichend gebildeten "Risikoschülern" zählen in Deutschland rund 20 Prozent aller 15-Jährigen. Gemäß den PISA-Studien können sie höchstens auf Grundschulniveau lesen und rechnen und haben deshalb beim Eintritt in die Berufstätigkeit erhebliche Probleme. Wößmann geht in seiner Studie vergleichend von einer Bildungsreform aus, die den Anteil der Risikoschüler innerhalb der kommenden zehn Jahre deutlich senkt, also eine positive Grundannahme setzt, die es erst mal zu erfüllen gilt. Die dadurch erzielten Wachstumseffekte in den kommenden achtzig Jahren vergleicht er dann mit dem prognostizierten Wirtschaftswachstum ohne Reform.
Den Berechnungen der Studie zufolge belaufen sich die Erträge einer Reform bis zum Jahr 2030 auf 69 Milliarden Euro und übersteigen so die jährlichen öffentlichen Bildungsausgaben im Elementar- und allgemeinbildenden Schulbereich. Bis zum Jahr 2074 erreicht das zusätzliche Wachstum die Summe von rund 1,75 Billionen (1.746 Milliarden) Euro. Im Jahr 2090 schließlich - dem Endpunkt der Langzeitbetrachtung - summieren sich die Erträge auf rund 2,8 Billionen (2.808 Milliarden) Euro. Das ist mehr als unser heutiges Bruttoinlandsprodukt (BIP) und entspricht etwa dem 28-fachen der jüngsten Konjunkturpakete, führt die Bertelsmann Stiftung aus.
Studie fordert Chancengleichheit
"Die Studie macht deutlich, wie dringend das Problem der unzureichenden Bildung gelöst werden muss", unterstreicht Dräger. Die so genannten "Risikoschüler" kommen häufig aus sozial benachteiligten Familien oder haben einen Migrationshintergrund, führt die Studie aus. "Bildung muss Chancengerechtigkeit schaffen", so Dräger, "nur dann sichert sie sowohl den gesellschaftlichen Zusammenhalt als auch unsere ökonomische Zukunftsfähigkeit. Allen politisch Verantwortlichen muss klar werden: Bildung lohnt sich - auch finanziell."
Die Wirtschaft ist aber heute schon gefordert muss man ergänzend hinzufügen, denn die Zahl der erwerbslosen Akademiker beispielsweise steigt wie auch ihre Beschäftigung in so genannten prekären Arbeitsverhältnisse, welche sich besonders im Medien- und Kommunikationsbereich finden lassen.
Downlaod zur Studie >> www.bertelsmann-stiftung.de/bst/de/media/xcms_bst_dms_30242_30243_2.pdf
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Donnerstag, 9. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!



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