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Sonntag, 12. Feber 2012 - Eine andere Information ist möglich!
WIRTSCHAFT

Studie: Wir brauchen neue Maßstäbe und Rater


Siegburg/Berlin (3.3.10): Bisher war und ist das Maß für die Messung und damit auch Bewertung von wirtschaftlicher Leistungskraft für Staaten das so genannte Bruttoinlandprodukt (BIP). Ist es noch ein taugliches Instrument? Und sind die Rating-Agenturen die richtigen Instanzen?
Eine grundlegende Revision bei der Bewertung der Wirtschaftsleistung fordert das SÜDWIND-Institut in einer heute erschienenen Studie, die zusammen mit Brot für die Welt und dem Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) herausgegeben wurde.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Kompass oder Maßstab für erfolgreiche Wirtschaftspolitik wird demnach zunehmend fraglicher. Nur neue Maßstäbe können die Grundlage schaffen für eine Umorientierung der Wirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit.

Und man muss auch, wie aktuell die EU es tut, hinterfragen, ob auch die Rating-Agenturen die einzigen seien, die hier Wertungen vornehmen dürfen und weiterhin sollen. Denn, so die zutreffende Argumentation der EU, haben die Rating-Agenturen sich schon mehrfach sehr krass in ihrer Wertung vertan wie ja der Fall Lehmann jüngst deutlich demonstriert. Wer sagt, dass sich die Rating-Agenturen sich nicht auch im fall Griechenland ebenfalls daneben liegen. Es sind die Maßstäbe, aber auch jene, die diese bewerten, zu hinterfragen. Und die Interessenskonflikte sind gleichfalls sehr deutlich herauszuarbeiten und zu benennen. So kann es nicht sein, dass beispielsweise Wirtschaftsprüfungsgesellschaften prüfen und indirekt an den zu prüfenden Unternehmen beteiligt sind.

Das BIP ist weithin als der zentrale Maßstab zur Berechnung der Wirtschaftsentwicklung eines Landes anerkannt. "Allerdings gehen weite Teile der Wirtschaft, darunter beispielsweise die Hausarbeit und ehrenamtliches Engagement, gar nicht erst in die Rechnung ein. Die Beseitigung von Umweltschäden oder der Verbrauch nicht nachwachsender Rohstoffe hingegen lässt die Wirtschaftsleistung wachsen – und damit nach gängiger Lesart auch den Wohlstand“, so Friedel Hütz-Adams von SÜWIND, Hauptautor der Studie.

Dies beruht auf der einfachen Tatsache, dass unendliches Wachstum und damit Reichtum für wenige Menschen in einer endlichen Welt nicht möglich ist und zu schwerwiegenden Konflikten führt. Eine neue Wachstums- und Wohlstandsidee braucht daher nicht nur neue Maßstäbe, sondern auch andere Vorstellungen von Chancen- und Umverteilungsgerechtigkeit.

Alternative Denkmodelle und Erfassungssysteme für Wohlfahrt, Glück und Zufriedenheit sind da seit Jahrzehnten in der Diskussion. Daher soll die Studie laut Hütz-Adams Anstöße für eine verstärkte Debatte in Deutschland liefern. "In Frankreich lässt Staatspräsident Sarkozy eine international hochkarätig besetzte Kommission alternative Maßstäbe für die Wirtschaftsleistung entwickeln, Großbritannien arbeitet an neuen Konzepten, EU und OECD haben Kommissionen eingesetzt. In Deutschland beginnt die Debatte dagegen erst, eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen.“

Mitautor Michael Frein vom EED fordert als Konsequenz aus den international laufenden Debatten ein Umdenken in der deutschen Politik: "Die offensichtlichen Schwächen der Erfassung des Bruttoinlandsprodukts sind bekannt. Angesichts weltweiter massiver sozialer und ökologischer Probleme stellt sich die Frage, wie lange die Politik die Steigerung des BIP noch als wichtigstes politisches Ziel ansehen möchte. Wir brauchen neue Maßstäbe und daraus abgeleitet neue Leitlinien für Politik und Wirtschaft."

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