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Sonntag, 1. August 2010 - Eine andere Information ist möglich!
WIRTSCHAFT

Umfrage: Vertrauen in gerechte Verteilung hat abgenommen


Gütersloh (12.2.10): Eine aktuelle Allensbach-Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung will zeigen, dass die Soziale Marktwirtschaft mehr an Akzeptanz gewinnt. Dies jedoch von einem sehr niedrigen Niveau aus. Und das Vertrauen in eine Verteilungsgerechtigkeit hat abgenommen.
Im Jahr 2000 hatten noch 55 Prozent der Bevölkerung eine positive Meinung von der Sozialen Marktwirtschaft, so waren es im Frühjahr 2008 nur noch 31 Prozent. Eine beispiellose und erdrutschartige Erodierung im Vertrauen in die Soziale Marktwirtschaft ist zu konstatieren.

Anfang dieses Jahres hatte man noch einmal nachgeschaut und gefragt: Die Akzeptanz ist um sieben Prozentpunkte auf 38 Prozent gestiegen.

Als Gründe für diesen Anstieg interpretiert Dr. Gunter Thielen, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung, vor allem die Reaktion der Politik in der ersten Phase der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise: Konkret das Garantieversprechen für Spareinlagen von Kanzlerin und Finanzminister habe eine Panikreaktion der Bevölkerung verhindert.

Anders interpretiert kann man auch behaupten, dass dieser Vertrauensanstieg teuer erkauft wurde und die Basis dieses "Vertrauensanstieg" eher eine klamme Angstreaktion darstellt.

So erscheint auch die weitere Begründung der Bertelsmann Stiftung für den Anstieg in das Vertrauen eher vom Wunschdenken und ideologisch begründet zu sein, wenn man liest, dass "...auch die Konjunkturprogramme und die Ausweitung der Kurzarbeit sowie das Verhalten vieler Unternehmer, die Arbeitsplätze auch in der Rezession zu sichern, sich positiv ausgewirkt (hätten)". Wenn diese doch massiven Rettungsprogramme nur sieben Prozentpunkte Anstieg im Vertrauen ausgelöst haben, vermag man erst den Keller zu erahnen wie tief eigentlich das Vertrauen erschüttert ist.

Die Umfrage der Bertelsmann Stiftung belegt auch, dass die Kritik an der Verteilungsgerechtigkeit in Deutschland anhält. 58 Prozent der Bevölkerung halten die wirtschaftlichen Verhält nisse für "nicht gerecht". Diejenigen, die die Einkommens- und Vermögensverteilung im Großen und Ganzen für "gerecht" halten, bleiben in der Minderheit, auch wenn ihr Anteil seit 2007 wieder leicht auf jetzt 21 Prozent gestiegen ist.

Die große Mehrheit der Bevölkerung (71 Prozent) hat zudem den Eindruck, dass die soziale Gerechtigkeit in Deutschland in den letzten vier Jahren weiter abgenommen hat. Nur 4 Prozent der Befragten glauben, sie habe zugenommen. "Der Illusion, dass dem Staat angesichts seiner enormen Schuldenlasten aus der Bewältigung der Wirtschaftskrise größere Verteilungsspielräume geblieben wären, erliegt kaum jemand", interpretiert Thielen dieses Umfrageergebnis. Auch hier ist eine völlig andere Ursachenerklärung denkbar, wie beispielsweise, dass man statt Staat Wirtschaft setzt. Es ist eben Interpretation.

In Summe, wichtige Umfrageergebnisse, die durchaus eine differenzierte und tiefergehende Ursachenerklärung wert sind und Fingerzeige geben.

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