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WIRTSCHAFT

Vision einer nachhaltigen Landwirtschaft


Brüssel (15.3.10): Zahlreiche NGOs und Interessenverbände stellen morgen ihre Kampagne für eine nachhaltige Landwirtschaft in Europa: European Food Declaration.
Getragen wird dieses Bündnis u.a. von Greenpeace Europe, Friends of the Earth, Demeter, BUND über Attac bis hin zu Fian. Gesamt dürften es aktuell an die 100 Organisationen in ganz Europa sein.

Adressat ist die Europäische Union. In ihrem Befund führt das Bündnis "European Food Declaration" aus: Die Industrialisierung der Landwirtschaft und der Lebensmittelproduktion hat in mehr als einem halben Jahrhundert die Anzahl bäuerlicher Betriebe in Europa erheblich reduziert. Auch die Vielfalt lokaler Esskulturen wurde weniger. Unser Nahrungsmittelsystem ist heute abhängig von billigem Erdöl, respektiert die natürlichen Grenzen der Verfügbarkeit von Land und Wasser nicht und fördert eine ungesunde Ernährungsweise, die reich an Kalorien, Fett und Salz, jedoch arm an Obst, Gemüse und Getreide ist.

Steigende Energiekosten, drastische Verluste an Biodiversität, ein sich veränderndes Klima und rückläufige Wasser- und Landressourcen bedrohen die zukünftige Nahrungsmittelproduktion. Während auf der einen Seite eine wachsende Weltbevölkerung zunehmend mit weit verbreitetem Hunger konfrontiert ist, gibt es immer mehr Menschen mit chronischen Erkrankungen infolge des Überkonsums von Lebensmitteln.

"Diese Herausforderungen werden wir nur dann erfolgreich bewältigen, wenn wir gänzlich andere Lebensmittel- und Agrarpolitiken und –praxen entwickeln und umsetzen.", argumentiert das Bündnis.

Das Bündnis fordert in 12 Punkten die Umorientierung zu einer nachhaltigen Landwirtschaft. Nachstehend die Deklaration und die Forderungen im Wortlaut:

"Die neue Gemeinsame Lebensmittel- und Agrarpolitik:

1. Versteht Nahrung als ein universales Menschenrecht und Lebensmittel nicht lediglich als eine Ware.

2. Gibt dem Anbau von Lebens- und Futtermitteln für Europa den Vorzug und verändert internationalen Agrarhandel auf der Basis der Prinzipien von Gleichheit, sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit. Die GAP darf dabei die Lebensmittel- und Agrarsysteme anderer Länder nicht schädigen oder zerstören.

3. Fördert gesunde Essgewohnheiten sowie Ernährungsformen, die vor allem auf pflanzlicher Basis beruhen und die den Konsum von Fleisch, von energie-intensiven, hochverarbeiteten Nahrungsmitteln sowie von gesättigten Fetten reduzieren. Dabei werden weiterhin kulturell verschiedenen Essgewohnheiten und regionale Traditionen respektiert.

4. Priorisiert die Erhaltung von landwirtschaftlicher Produktion durch eine Vielzahl von Bauern und Bäuerinnen in ganz Europa, die Lebensmittel erzeugen und Kulturlandschaften erhalten. Dieses Ziel ist ohne gerechte und sichere Preise für landwirtschaftliche Produkte, die Bauern und Bäuerinnen und LandarbeiterInnen ein gerechtes Einkommen bzw. einen gerechten Lohn ermöglichen, bei gleichzeitig leistbaren Preisen für KonsumentInnen, nicht machbar.

5. Stellt faire, nicht diskriminierende Rahmenbedingungen für landwirtschaftliche ProduzentInnen und LandarbeiterInnen in Zentral- und Osteuropa sicher und fördert den fairen und gleichen Zugang zu Land.

6. Respektiert die lokale und globale Umwelt, schützt die endlichen Boden- und Wasserresourcen, erweitert die Biodiversität und respektiert Tierwohlfahrt.

7. Garantiert, dass Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion frei von Gentechnik bleibt und stärkt die Kontrolle von Bauern und Bäuerinnen über Saatgut und die Diversität lokaler Vielfalt.

8. Stoppt die Förderung des Anbaus und der Verwendung von industriell produzierten Agrotreibstoffen und priorisiert die Reduktion von Transporten.

9. Stellt Transparenz entlang der gesamten Nahrungsmittelkette sicher, sodass BürgerInnen darüber Bescheid wissen, wie ihre Nahrungsmittel produziert wurden, woher sie kommen, woraus sie bestehen und was im Endverbraucherpreis enthalten ist.

10. Reduziert die Machtkonzentration und den Einfluss der lebensmittelverarbeitenden Industrie sowie des Einzelhandels im Hinblick auf das, was produziert und konsumiert wird und fördert ein Lebensmittelsystem, in dem die Distanzen zwischen den ProduzentInnen und KonsumentInnen verringert werden.

11. Fördert den Anbau und Konsum von hoch qualitativen lokalen und saisonalen Lebensmitteln und unterstützt damit eine engere Verbindung zwischen Bauern/Bäuerinnen und KonsumentInnen."

12. Stellt Ressourcen für die Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten über die Lebensmittelproduktion, die Verarbeitung und den Genuss von gesunden und nahrhaften Lebensmitteln an Kinder bereit.



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