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WIRTSCHAFT

Über Schönrechnerei ärgert sich foodwatch bei diesem Produkt von Oetker.

 

Wie aus 1,875 % plötzlich 75 % werden: Oetker rechnet vor


Berlin (16.12.09): Wie werden aus rund 2% Schokolade plötzlich 75 %? Man rechnet wie Oetker. Foodwatch ärgert sich über die Praktiken vieler Lebensmittelhersteller, sie führen Verbraucher durch Rechentricks oder verwirrende Prozentangaben in die Irre.
Was man mit kleinen Rechenbeispielen so alles anders präsentieren kann, zeigt sich am Beispiel von Oetker. Da werden aus 1,875 % Schokolade plötzlich 75 %. Dafür haben sie nun von der NGO foodwatch den Goldenen Windbeutel erhalten.

Besonders dreist treibt es Dr. Oetker bei seinem Schokoladenpudding "PurChoc". Auf der Verpackung steht groß "75 % Kakao in der Schokolade" und "Tansania edelbitter" - tatsächlich sind jedoch nur 1,875 % Tansania-Kakao im Produkt enthalten. Die hervorgehobene Angabe von 75 % Kakao bezieht sich nämlich nur auf den Schokoladenanteil, der gerade einmal 2,5 % im Pudding ausmacht.

"Ein Blick auf die Verpackung lässt Schokoladenliebhaber dahinschmelzen - bei genauem Nachrechnen aber schmilzt vor allem der vermeintlich riesige Anteil Tansania-Kakao bis auf einen winzigen Rest zusammen", erklärte Henrik Düker von foodwatch. "Mit diesem Trick rechnet Dr. Oetker sein Produkt schön - das ist zwar ein gutes Beispiel für den Matheunterricht, aber keines für anständige Werbung."

Außerdem hübscht Dr. Oetker "PurChoc" mit Begriffen wie "Herkunftsschokolade" und "edelbitter" auf, die eine besondere Qualität suggerieren. Diese ist jedoch durch nichts belegt nach foodwatch. Eine ausführliche Recherche zu "PurChoc" hat foodwatch heute auf abgespeist.de vorgestellt, der Online-Plattform für entlarvten Etikettenschwindel.

Das Fazit: Edel ist am Schokoladenpudding „Pur Choc 75 % Kakao Tansania edelbitter“ vor allem das Etikett. Umso bitterer dafür die missverständliche Kennzeichnung mit Prozentzahlen und „edlen“ Versprechen, die nicht gehalten werden so foodwatch.

Verheißungsvolle Prozentangaben und aberwitzige Rechnungen seien beliebte Tricks von Herstellern, um ihre Produkte in ein besseres Licht zu rücken, führt foodwatch aus und bietet weitere Beispiele an:

• Die Haribo-Fruchtgummis "Fruity-Bussi" versprechen "35 % Frucht in der Füllung" - diese Füllung macht jedoch gerade einmal 12,3 % des Produkts aus. Der ausgelobte Fruchtanteil schrumpft damit auf 4,305 % im Produkt zusammen.

• Müller betont bei seinem "Joghurt mit der Buttermilch" groß den geringen Anteil von nur "1 % Fett" - der hohe Zuckeranteil von fast 15 %, der das Produkt trotzdem zu einem äußerst gehaltvollen macht, wird an dieser Stelle verschwiegen.

• Kellogg's bewirbt seine "Frosties mit weniger Zucker" mit dem Hinweis "1/3 weniger Zucker als Frosties original". Eine Zuckerbombe bleiben sie jedoch auch in dieser Variante: Der Zuckeranteil macht noch immer 25 Prozent aus - zu viel für ein ausgewogenes Kinderfrühstück.

• "30 % weniger Fett" verspricht Lorenz bei seinen Kartoffelchips "Lorenz Naturals Leicht fein gesalzen". Doch wer denkt, dass auch ein Drittel weniger Kalorien als etwa in den "Lorenz Naturals mit Meersalz und Pfeffer" drin ist, täuscht sich: Der Kalorienanteil ist gegenüber diesem Produkt nur um 11 % reduziert.

Mehr Beispiele unter www.abgespeist.de

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