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WIRTSCHAFT

Zunehmend werden mehr erneuerbare Energiequellen gebaut: 62%


Brüssel (6.7.2010): Die Nachricht ist durchaus erfreulich. Der Anteil erneuerbarer Energien an neu installierten Stromerzeugungskapazitäten ist in der EU 2009 ist auf 62% gestiegen. Allen voran die Windenergie. Atomstrom ist nur Kostenfalle.
Laut einem gestern veröffentlichten Bericht der EU ist zwischen 2008 und 2009 der Anteil der erneuerbaren Energien an den neu installierten Stromerzeugungskapazitäten in den EU27 von 57 % auf 62 % (17 GW) angestiegen ist. Im zweiten Jahr in Folge kommt dabei die Windenergie für den Löwenanteil auf: Von der neu installierten Energiegesamtleistung von 27,5 GW gingen 10,2 GW d.h. 38 % auf Windenergie zurück.
In absoluten Zahlen wurden somit 19,9 % des Gesamtelektrizitätsverbrauchs in der EU im letzten Jahr aus erneuerbaren Energien gedeckt.

Atomstrom erweist sich so als Kostenfalle und stellt definitv keine Brückentechnologie dar, führt der vzbv aus: Mehrere Gutachten haben in den vergangenen Monaten belegt, dass eine wettbewerbsneutrale Ausgestaltung längerer Laufzeiten der AKWs nicht möglich ist. Schon heute besteht auf dem deutschen Erzeugermarkt ein Oligopol aus RWE, Eon und Vattenfall - das hat der Bundesgerichtshof ausdrücklich festgestellt. Sollte es zu Laufzeitverlängerungen kommen, würde das ausschließlich den großen Energieerzeugern nutzen. Das Nachsehen hätten neue Gaskraftwerksbetreiber und am Ende die Verbraucher.

"Die Oligopol stärkenden Auswirkungen einer Laufzeitverlängerung sind bekannt", betont Dr. Holger Krawinkel, Fachbereichsleiter Bauen, Energie, Umwelt beim vzbv. "Wie diese negativen Auswirkungen neutralisiert werden können, weiß bislang niemand."

Für bne-Geschäftsführer Robert Busch klingt die Veröffentlichung eines Branchenkonsenses denn auch wie "ein fehlgeschlagener Disziplinierungsversuch der alten Energiewirtschaft. Es wird nun darauf ankommen, dass für den Fall einer Laufzeitverlängerung im Energiekonzept der Bundesregierung ein ausreichend großes Paket an gegensteuernden Maßnahmen verankert wird", fordert Busch. Dieses Paket müsse neben der Brennelementesteuer auch die Gewinnabschöpfung und die Möglichkeit struktureller Eingriffe enthalten.

Vorsichtiger Optimismus für erneuerbare Energien

Auf den Gesamtenergieverbrauchs (3042 TWh) bezogen, erreichte der Anteil der erneuerbaren Energiequellen 2009 in der EU ungefähr 19.9% (608 TWh). Der größte Teil entfiel dabei auf Wasserkraft (11,6%), gefolgt von Windkraft (4,2%), Biomasse (3,5%) und Solarenergie (0,4%).

Die in diesem Jahr neu installierten Kapazitäten an erneuerbaren Energien von 27,5 Gigawatt (GW) verteilten sich zu 35% auf Windenergie, zu 21% auf Photovoltaikanlagen, zu 2,1 % auf Biomasse, zu 1,4 % auf Wasserkraftwerke und zu 0,4 % auf konzentrierte Solarenergie. Der Rest entfiel auf Erdgaskraftwerke (24 %), Kohlekraftwerke (8,7 %), Öl (2,1 %), Abfallverbrennungsanlagen (1,6 %) und Kernenergie (1,6 %).

Wenn die aktuellen Wachstumsraten beibehalten werden, könnten laut dem Bericht im Jahre 2020 bis zu 1.400 TWh Strom aus erneuerbaren Ressourcen bezogen werden. Damit könnte, in Abhängigkeit vom Erfolg der Strategien zur Stärkung der Energieeffizienz, ungefähr 35-40 % des gesamten Energieverbrauchs in der EU gedeckt und ein maßgeblicher Beitrag zur Erreichung des 20 %-Ziels für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien geleistet werden.

Bis dahin gilt es jedoch noch einige Probleme zu lösen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Gewährleistung eines gerechten Netzzugangs, eine umfassende staatliche Förderung der FuE und die Anpassung der aktuellen Elektrizitätssysteme an die Aufnahme von Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Weiterhin wird in dem Bericht betont, dass Kostensenkungen und eine beschleunigte Umsetzung vom Produktionsvolumen, nicht vom Faktor Zeit abhängig sind.

Zusammenfassung des JRC-Berichts 2010

Windenergie: mit einem Anteil von mehr als 74 GW an den 2009 neu installierten Erzeugungskapazitäten hat die Windenergie das im Weißbuch von 2010 vorgegebene Ziel von 40 GW bereits um 80 % übertroffen. Die europäische Windenergievereinigung strebt nun bis 2020 die Aufstockung des Beitrags zur neu installierten Stromerzeugungskapazität auf 230 GW (davon 40 GW durch Offshore-Anlagen) an und würde damit 20 % des EU-Bedarfs decken.

Biomasse: wenn sich das Wachstum fortsetzt, könnte die Stromerzeugung aus Biomasse von 2008 bis 2010 fast verdoppelt werden (von 108 TWh auf 200 TWh). Dies ist jedoch davon abhängig, wie viel Biomasse für konkurrierende Energieverbraucher wie Heizanlagen oder Kraftfahrzeuge bereitgestellt und so die Entwicklung der Bioelektrizität gehemmt wird. Vor allem ihre Lagerfähigkeit macht die Biomasse zu einem wichtigen Energielieferanten.

Konzentrierte Solarenergie: die konzentrierte Solarenergie stellt mit 0.430 GW im Mai 2010 und einem Anteil von 0,5 % an der Gesamtkapazität noch immer einen eher kleinen Bereich dar, der jedoch ständig wächst. Bis 2020 könnten schätzungsweise 30 GW erzeugt werden, wenn die Initiative der Europäischen Solarstromindustrie ESII umgesetzt wird. Die meisten Solarstromanlagen werden derzeit in Spanien installiert.

Photovoltaikanlagen: seit 2003 hat sich die installierte Erzeugungskapazität jährlich verdoppelt und erreichte 2009 16 GW, d.h. 2% der Gesamtkapazität. Dieses Wachstum wird sich fortsetzen, da 2010 Anlagen mit einer Kapazität von bis zu 10 GW geplant sind. Damit hat auch die Energieerzeugung aus Photovoltaikanlagen die von der EU in ihrem Weißbuch festgelegten Ziele übertroffen.

Andere Energiequellen: Erdwärme-, Gezeiten- und Wellenkraftwerke befinden sich noch im Entwicklungsstadium und wurden daher nicht im Bericht der JRC berücksichtigt. Sie dürften sich jedoch mit Sicherheit im nächsten Jahrzehnt auf dem Markt etablieren. Bei den Wasserkraftwerken werden keine größeren Zuwächse erwartet, da alle verfügbaren Ressourcen bereits genutzt werden. Jedoch wird die Pumpspeicherung eine immer größere Rolle für andere erneuerbare Energiequellen spielen.

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